Saint-Tropez
Die Trompete und die kräftige Stimme mit Chansons von Boris Vian klangen durch die kleinen Gassen am Fischerhafen. Kaum war der Weltkrieg mit der italienischen Besatzung vorüber, erwachte das Dörfchen St. Tropez aus dem Dornröschenschlaf, eine neue Zeit wurde gefeiert: die Existenzialisten um Juliette Gréco und Daniel Gélin kehrten dem stickigen Paris den Rücken und gründeten an der Côte d’Azur ihr „Saint-Tropez-des-Prés“, um dort zu tanzen, zu trinken, zu schwimmen, in der Sonne zu schlafen et faire l’amour.
Mittendrin und Ausgangspunkt von allem: die Bar de La Ponche! Der Trompeter und Chansonnier Boris Vian (1920-1959), einer der interessantesten Künstler der französischen Nachkriegszeit, überredete dann Marguerite, die Mutter der heutigen Hotelbesitzerin Simone Duckstein, „heimliche Königin von St. Tropez“ (Birgitta Ashoff, Saint Tropez – ein Mythos lebt, ARTE), gleich neben der Bar den Nightclub „Saint-Germain-des-Prés La Ponche“ zu eröffnen: seine Bühne! In ihrer Kindheit und Jugend sah Mme Duckstein, die buchstäblich zwischen den Tischen aufwuchs, die Stars jener Zeit ohne großes Aufsehen kommen und bleiben:
[wds id=“116″]Roger Vadim, Françoise Sagan, Pablo Picasso, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und auch die noch unbekannte Brigitte Bardot, deren Eltern eine Wohnung im Ort ein paar Häuser weiter gekauft hatten, für die sonnenreichen Sommer an der Côte.
Auch als junger Filmstar kehrte die Bardot mit ihrer Pariser Clique in „ihr“ La Ponche zurück (ab 1957 auch als Hotel geführt), um ein paar laue Tage in der Diskretion im Süden Frankreichs zu verleben, wo auch ein gewisser Gunter Sachs von Opel mit seiner Entourage eingecheckt hatte.
Eines Abends an der Bar – die Cliquen mischen sich auch heute nicht in St. Tropez – bricht Gunter das Eis und frägt die Bardot: „Mademoiselle, gehen Sie heute Abend auch ins Tropicana nebenan?“ (wie der Nightclub mittlerweile hiess), Brigitte: „Je ne sais pas!“ Und die wohl berühmteste amour fou des 20. Jahrhunderts nahm ihren Lauf!
Dass Sachs nicht nur Nonkonformist, begnadeter Photograph und Kunstsammler war, sondern auch ein findiger Geschäftsmann zeigt diese Anekdote: Jahre später, bereits mit eigenem Haus in den Hügeln von St. Tropez, wohnte er weiter im Chambre 1 des La Ponche; beim Frühstück belauerte er Simones Mutter mit dem Vorschlag „sein“ Zimmer gegen eine mondäne Wohnung in Lausanne am Genfer See zu tauschen. Marguerite brach hervor: „Non Monsieur Gunter, mon dieu, mon dieu, was sollte ich dort, im langweiligen Lausanne?“ Das Chambre 1 trägt heute seinen Namen.
[wds id=“117″]Simone Duckstein und das La Ponche
Mit dem 5 Sterne-Hotel „La Ponche“ betrauert Simone Duckstein heute nicht längst vergangene Zeiten, sie meint ohne irgendeine Nostalgie zu GOURMINO EXPRESS:
„Mit dem Hotel pflege ich den Wunsch, eine gewisse ‚Kunst zu leben‘ weiterzugeben, die Nonchalance, die Einfachheit, die Herzlichkeit; diese provenzalische Identität, die da ist und bleibt für diejenigen, die die sensible und geheime Seele von St. Tropez lieben!“
Neben der besonderen Lage direkt am Meer und den geschmackvollen, individuellen Zimmern, die alle einen Namen der illustren historischen Persönlichkeiten tragen und mit Kunstwerken des großen französischen Malers Jacques Cordier bestückt sind, besticht das La Ponche durch seine sehr gute provenzalische Küche (Chef de cuisine Christian Geay) mit einer Reminiszenz an den ehemaligen Fischerhafen: GOURMINO EXPRESS empfiehlt die opulente Bouillabaisse sowie die filets de rougets mit Weisswein vom nahen Château Minuty. Merci!
Hotel La Ponche
5, Rue des Remparts
83990 Saint-Tropez
+33 494 970253
hotel@laponche.com
www.laponche.com