Süd­ita­lien – Pesce, Pasta, Pizza & Pri­mi­tivo di Manduria

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Süditalien

Ich war gespannt, was passiert, wenn man mit Hardcore-Rotwein-Trinkern der früheren Toskana-Fraktion und Bordeaux-Connaisseuren in Süditalien unterwegs ist. Meine Freunde hatten schon vor vielen Jahren (auch mit Joschka Fischer) so manche große Flasche im „Gargantua“ in Frankfurt aufgemacht. Doch einmal in den Weinbergen, oder besser Weingärten, in Apulien unterwegs zu sein, war auch für sie vinologisches Neuland.

 

Alfons, Clemens und Peter:
Die „Drei“ von der Tankstelle.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Um es gleich vorweg zu nehmen, es wurde kein Concours d’Elegance der Rotweine, nein, eher ein Concours le Corps & Alcool. Bekanntermaßen sind die Rebsorten Primitivo und Negroamaro von der Sonne verwöhnt und schießen beim Alkoholgehalt häufig über das Ziel hinaus – Rotweine mit 17% Vol. Alkohol und 18 Gramm Restzucker sind keine Seltenheit. Mehr darüber nächste Woche im zweiten Teil meiner Reise.

 

Negroamaro, eine der wichtigsten Rebsorten von Apulien.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Wir hatten uns die Regionen Kalabrien, die Basilikata und Apulien in drei Tagen vorgenommen, was natürlich in einem nachhaltigen Wein- und Genuss-Marathon endete – anstrengend, aber schön und kalorienreich.

 

Pünktlich um 9.15 Uhr landete unsere Maschine in Lamezia Terme in Kalabrien. Ich war noch nie da, habe aber in 30 Minuten alles Wesentliche der Stadt gesehen, was mich interessiert (Castello Normanno di Nicastro). Unsere knappe Zeit wollten wir lieber in Tropea investieren, die pittoreske Stadt auf einer Felsklippe hoch über dem Meer. Sicher einer der schönsten Orte in Kalabrien, etwa 60 Kilometer südlich von Lamezia.

 

Tropea, südlich von Lamezia:
muss man gesehen haben.

Lamezia Terme: Blick auf Nicastro
und Castello Normanno-Svevo.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Die Stadt war mir bisher nur durch Korruption und Aktivitäten der Mafia (Ndrangheta) bekannt, aber jeder Koch und kulinarisch Interessierte kennt die Roten Zwiebeln aus Tropea. Sie sind süßlich, dezent im Geschmack und kommen in fast allen Gerichten der Region zum Einsatz. Natürlich auch verschwenderisch eingesetzt bei unseren Antipasti in Elias Ristorante im Zentrum.

 

Mediterrane Vorspeise:
Algenspieß mit Fischpaste und Zwiebeln aus Tropea.

Tatar vom Thunfisch mit Avocados
und Zwiebeln aus Tropea.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Ich bedaure, dass wir nur kurz bleiben und fahren weiter Richtung Nord-Osten nach Crotone.

 

Die Straßen sind meistens schlecht, Querrinnen und Schlaglöcher wechseln sich ab. Unser Freund Peter hatte sich als Fahrer angeboten und avancierte nach der Reise zum automobilen Slalomspezialisten. In Crotone sind die meisten Restaurants noch geschlossen, Saisonbeginn ist erst Ende Mai, Anfang Juni.

 

Im April noch menschenleer:
Der Strand von Crotone.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Doch wir haben Glück: Tessie, Patrone des Restaurants Gambero Rosso direkt am Strand, registriert unsere suchenden Blicke und bittet uns zu Tisch.

 

Das Restaurant ist leer, der Weinkeller (noch) voll, der Blick auf das Ionische Meer fantastisch, die erste Flasche Wein Appetit anregend (was bei uns aber selten erforderlich ist). Wir probieren u. a. einen 2016 Madre Goccia der Tenuta Iuzzolini. Die Flasche 2016 Terre Di Trezzi aus den Weinbergen von Strongoli / Kalabrien macht frisch-fruchtige Freude, der 2015 Greco Di Tufo kommt etwas reifer und opulenter daher. Auch Tessie, wie wir erfahren, eine Kanadierin, die der Liebe wegen den Erdteil gewechselt hat, macht unsere Weindegustation Freude.

 

Gambero Rosso in Crotone:
Herzliche Gastgeber Sergio und Tessy.

Das Gambero Rosso in Crotone:
Mehr als nur eine Strandbude.

Gambero Rosso, Crotone:
Panoramablick auf das Ionische Meer.

Gambero Rosso biblisch:
Hier kann man übers Wasser gehen.

Gambero Rosso:
Relaxen mit einem Sundowner.

Gambero Rosso: Die regionalen Weine sind
wie überall preiswert: 18-20 Euro pro Flasche.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Der Küchenchef läuft zur überschaubaren Höchstform auf, Antipasti, Pasta, Pizza und Meeresfrüchte haben ähnliches Niveau wie das rustikale Ambiente. Patron Sergio offeriert noch ein frisch gezapftes Bier – es ist wie ein Nachmittag unter Freunden. Unsere Reise geht weiter Richtung Nord-Osten. Ein Hotel hatten wir noch nicht gebucht, in der Annahme, in der Vorsaison sind genügend Zimmer frei. Was wir nicht wussten: die meisten Häuser hatten noch nicht geöffnet.

 

Doch Hermes und Merkur, die Götter der Reisenden (und auch der Diebe) leisteten Beistand und führten uns in das Resort Relais Capo Spulico.

 

In Sichtweite, direkt über dem Strand gelegen: das Castello Federiciano di Roseto Capo Spulico. Von Hunger und Durst waren wir wahrlich nicht geplagt, aber nach einem kurzen Blick in das romantisch illuminierte Innere der Burg einigten wir uns auf einen Teller Antipasti und ein Glas Wein. Doch wie heißt es so schön? Und erstens kommt es anders … und zweitens – kommt Roberto aus der Küche und annonciert auf deutsch seine Speisekarte … „Ich habe lange als Küchenchef bei 'Rosati' in Düsseldorf gearbeitet“, ein Restaurant das uns bestens bekannt ist, und unsere kulinarische Askese außer Kraft setzte.

 

Castello di Roseto Capospulico in Kalabrien:
Blick auf das Ionische Meer.

Castello di Rosato:
Rustikale Eleganz im Restaurant.

Castello di Rosato:
Romantische Stimmung auf der kleinen Terrasse.

Patron Michele, Küchenchef Roberto, Burgherr Carlo Cavaliere
und Gourmino Express Autor Wolfgang Ritter (v.li.).