Palma de Mallorca – Tapas statt Tortellini, auch ohne Air Berlin

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Palma de Mallorca

Chronische Mallorca Urlauber können seit Wochen nicht mehr ruhig schlafen: In den Nachrichten kommen fast täglich neue Schreckensmeldungen: Ihr Ferienflieger Air Berlin fliegt ab 2017 nicht mehr ihre Lieblingsinsel an. Nach 38 Jahren wird Palma de Mallorca vom Flugplan gestrichen. Was ist passiert? Dass die Fluggesellschaft Air Berlin pleite ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Ohne kräftige Finanzspritzen der arabischen Airline Etihad aus Abu Dhabi wäre die (noch) zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft längst pleite. 300 Millionen Euro werden gerade wieder investiert, Anteile und Flugzeuge wechseln ihre Besitzer, wie es weitergeht ist unklar. Klar ist nur, dass es irgendwie weitergeht.

 

Der Ferienflieger „TUIfly“ und die Airline „niki“ werden weiterhin sonnenhungrige Deutsche in ihre zweite Heimat bringen.

 

Auch TUIfly fliegt Palma de Mallorca an.

Niki Lauda vor einem Flugzeug der von ihm 2003 gegründeten Airline „niki“.

Fotos: TUIfly / NTV

 

Palma ist nicht meine zweite Heimat, aber jetzt zum Jahresende ist ein kurzer kulinarischer Ausflug in die spanisch / katalanischen Restaurants von Palma eine schmackhafte Abwechslung. Als Münchener bin ich der italienischen Küche sehr verbunden, aber ab jetzt gilt: Tapas statt Tortellini, und beim Schinken ist Pata Negra statt Parma angesagt. Mit Helmut von Finck, dem Herausgeber von GOURMINO EXPRESS begab ich mich auf die ultimative Tapas-Tour in Palma. Doch wo fangen wir an, wo essen auch die Mallorquiner ihre pikanten Häppchen? Es gibt tausende von kleinen Tapas Bars, jede hat ihre Vorzüge und Spezialitäten und natürlich auch Nachteile. Doch was ist genau eine Tapa?

 

Die Spanier und die Katalanen unterscheiden drei Arten der kleinen Häppchen: Pintxos, Tapas und Raciones. Pintxos sind die kleinsten Häppchen, sie werden auf einen Zahnstocher aufgespießt und im Stehen gegessen.

 

So habe ich das oft in Barcelona und Madrid erlebt. Die Zahnstocher legt man am Tresen auf einen Teller, es wird abgezählt und nach deren Anzahl die Rechnung gemacht. Tapas sind etwas größere Portionen und werden auf einem Teller oder in heißen Pfännchen serviert. Raciones sind eine Variation von Tapas und ersetzen auch mal ein Abendessen, während Pintxos und Tapas eher zwischendurch zum Wein oder zum Bier gereicht werden.

 

Herb, salzig, scharf: Oliven Sardellen, grüne Chili – Pintxos im „El Tapas“.

„El Tapas“: Schinken, Fisch, Pasteten, Tomaten, Salate … geröstetes Baguette wird mit allem belegt.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Doch zurück zu unserer Tapas-Tour: Unsere erste Adresse ist die Bar „El Tapas de Flanigan“, ein Ableger des bekannten Hot Spots in Portals Nous direkt am Hafen.

 

Die Bar macht einen heiteren Eindruck: blau- weiße Fliesen an den Wänden und an der dominanten Bar in der Raummitte. Alles ist hell und sauber, der Service ist aufmerksam, freundlich und kompetent. Wir probieren Calamares, frittiert mit Mayonnaise, diverse Schinken, Tortilla, Chipirones, Pimientos de Patron, Gambas in Knoblauchsauce. Dazu ein Glas SKIO, ein fruchtiger Albarino, ideal zu Mittag.

 

Flinker Service im El Tapas: Toni und Mode.

Frittierte Calamares mit pikanter Mayonnaise.

Pan de Cristal: Köstliches Brot mit Zwiebeln, Tomaten und Paprika.

Rabas de Calamar mit pikanter Mayonnaise und geröstetem Brot.

Noch ist Ruhe im El Tapas: Um 13 Uhr wird geöffnet …

Gut gelaunte Köche im El Tapas: David, Marta und José.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Der „Tapas Club“ in Portixol ist unsere nächste Adresse.

 

Die Terrasse ist übervoll, man sitzt in der Sonne, es ist laut und lustig, getrunken wird Sangria Cava (s. lustig), auf den Tischen Tapas in allen Variationen: Pulpo Blanca, Gambas, Kroketten, Tortilla, Chipirones Fritos, Boquerones. Auch eine Créme brulée findet noch unsere Zustimmung – was für ein herrlicher Novembertag! Portixol war ursprünglich ein kleines Fischerdorf, ist bei Einheimischen und Touristen seit Jahren gleichermaßen beliebt.

 

Portixol: Früher Fischerhafen, heute der IN-Place von Palma.

Die Uferpromenade von Portixol mit den hübsch renovierten Häusern.

Tapas Club in Portixol: So leer ist es nur im November morgens um 10 Uhr.

Tapas Club Portixol: Das Angebot an Tapas ist groß und gut.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Doch wir ziehen weiter: Eine Pflichtadresse ist das „La Bóveda“, eine der ältesten Tapas Bars in der Altstadt von Palma.

 

Die Atmosphäre ist familiär, man sitzt an rustikalen Holztischen, steht an der Bar oder an den alten Weinfässern in der Raummitte. Die Herren vom Service haben alle Gäste im Blick, wenn eine Flasche Wein bestellt wird, ist die auch in wenigen Minuten in perfekter Temperatur am Tisch – so stellt man sich eine Tapas Bar vor. Wir probieren einen Malloquiner Wein, eine Flasche Sauvignon des Weingutes Castell Miquel, ein aromatischer Wein, von einem deutschen Winzer gekeltert. Auf der Speisekarte stehen 46 Tapas, Fleisch- und Fischgerichte und Schinken für jeden Anspruch.

 

La Boveda: Dar Tapas-Klassiker in Palma.

Fehlen bei keiner Vorspeise: pikante Pimientos de Patrón.

Dazu eine Flasche Sauvignon des Weingutes Castell Miquel, „Stairway to Heaven“.

Gourmino Express Herausgeber Helmut von Finck und die Mannschaft des „La Boveda“.

Fotos: Wolfgang Ritter / Helmut v. Finck

 

Eine Adresse trauen wir uns noch zu: Das „La Bodeguilla“ in der Carrer de San Jaime direkt an der Placa Rei Joan Carles I.

 

Ein wunderschönes, rustikal-elegantes Restaurant mit einer langen Theke. Die Weinauswahl ist grandios, die Alte und Neue Welt sind gut mit ihren besten Weingütern vertreten. Auf der Karte stehen 21 verschiedene Tapas wie Entenleberpastete mit Rotweinbirne und Früchtebrot, oder ein pochiertes Ei mit Gänseleber Sauce und schwarzen Trüffeln. Die Gerichte haben Sterne Qualität und es gibt den besten Schinken der Welt, einen Bellota Gran Reserva, die Portion (80 Gramm) für 18.50 Euro. Eine außergewöhnliche Spezialität zu einem bezahlbaren Preis.

 

„La Bodeguilla“: Schinken und Weine der Extraklasse.

Jamón Ibérico Bellota: Der beste (und teuerste) Schinken der Welt.

Die „Macher" des „La Bodeguilla“: Küchenchef Javier Calzada, Mâitre José Antonio Carrasco.

Rustikale Eleganz und Gemütlichkeit im „La Bodeguilla“.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Worauf man beim spanischen Schinken achten muss, erkläre ich in der nächsten Folge unserer Tapas-Tour durch Palma de Mallorca. Und natürlich gibt es eine Liste der beliebtesten Tapas. Hier noch ein paar Impressionen:

 

Mallorca im November: Ganz weit weg vom Ballermann.

Ohne sie geht nichts in der Küche: Chilischoten, Knoblauch und Zitronen.

Das Tryp Bellver: Tolle Lage an der Promenade, grandiose Aussicht auf den Hafen und die Kathedrale.

La Seu: Die Kathedrale von Palma,bei Tag und Nacht beeindruckend.