Neapel – hier gibt es die beste Pizza der Welt!

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Neapel

Das ist die einhellige Meinung der „Pizzaioli“, der Pizzabäcker der Stadt – auf jeden Fall soll die Pizza in Neapel erfunden worden sein. Wann immer das auch gewesen sein mag, 1738 wurde die Antica Pizzeria Port’Alba gegründet und 1830 in eine Pizzeria-Osteria umgewandelt. Die Pizzeria „Brandi“ wurde 1780 gegründet und gehört zu den besten Adressen für den runden Fladen. Ich hatte in der ersten Folge meines Neapel Besuches darüber berichtet und war begeistert (s. GOURMINO EXPRESS-Artikel „Neapel – Dolce Vita am Vesuv“).

 

Pizzaria „Brandi“ – eine der besten Adressen für Pizza!

Foto: Wolfgang Ritter

 

Aber auch andere verstehen den Umgang mit Teig, Mozzarella, Tomaten und Basilikum:

 

Umberto Fornito im „Cavaliere“ in einem Vorort von Neapel war schon mehrfach Weltmeister, bei di Matteo aß schon Bill Clinton eine Margherita aus der Hand, im Ristorante „Il Bellini“ waren schon Sophia Loren und Giorgio Armani zu Gast und Julia Roberts durfte sich im Film „Eat Pray Love“ an einer Margherita delektieren. Die einfache Pizza Margherita ist neben der Pizza Marinara die beliebteste Variante der Neapolitaner – im Straßenverkauf ist die frittierte Pizza der Renner.

 

Pizza Margherita – der Klassiker aus Neapel.

Pizza und Gebäck an jeder Straßenecke.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Wer nun die beste Pizza auf den Teller bringt, ist Geschmacksache, aber allgemein gilt in Neapel:

 

bei da Michele in der Via Sersale gibt es die beste Pizza – basta! Und es scheint tatsächlich das Margherita-Mekka der Insider und informierten Touristen zu sein. Mein Favorit wurde es leider nicht. Vor dem Eingang warten etwa 50 Menschen gierig auf einen Platz im Restaurant oder zumindest auf eine Pizza Margherita oder Marinara. Ein Kellner verteilt Zettel mit Nummern und wie auf dem Finanzamt wird man aufgerufen, falls ein Tisch frei wird.

 

Da Michele: Hier gibt es nichts umsonst … aber beste Pizza in Neapel.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Die Atmosphäre im Restaurant ist sehr italienisch, um es höflich zu sagen – spartanisch, schlicht, laut und hektisch. Wer drinnen keinen Platz bekommt, isst seine Pizza draußen „a Libretto“, gefaltet aus der Hand im Stehen oder sitzt auf den Motorhauben der geparkten Autos. Von meiner Pizza esse ich etwa ein Drittel, der Teig ist sehr gut, der Rand wie überall mächtig und mit Brandblasen übersät. Das tomatige Zentrum meiner Pizza ähnelt einem Feuchtbiotop und ist mehr feucht als fein. Aber vielleicht hatte mein Pizzaiolo einen schlechten Tag …

 

Da Michele: Die Pizza ist unvergleichlich besser als das Ambiente.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Mehr Spaß hatte ich im „Gino Sorbillo“ an der Ecke Via Tribunali / Via Partenope.

 

Man sitzt herrlich auf blauen Segeltuch Stühlen an der Promenade oder im weiß-blau gefliesten Restaurant. Meine Margherita war sehr gut, der Teig ist kross und gleichzeitig elastisch, wunderbar zu essen. Die obligatorischen Brandblasen am Rand nicht bitter, sondern knusprig braun. Das Sorbillo ist ein herrlicher Platz zum Verweilen und zum Sinnieren – eine Flasche Weißwein, ein Falanghina del Sannio, Taburno, mit drei Gläsern im Gambero Rosso ausgezeichnet, kostet gerade mal 16 Euro.

 

Das Restaurant Sorbillo an der Promenade: herrlicher Platz zum Schlemmen und Schauen.

Im Sorbillo schmeckt die Pizza mit Salami und Mozzarella.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Beide Pizzerien sind auch im Restaurantführer Guide Michelin erwähnt!

 

Was das Geheimnis einer perfekten Pizza ist, hat sich mir nicht offenbart. Manche sagen der Ofen mit seinen 400-450 Grad Celsius ist noch wichtiger als der Pizzabäcker. Das Mehl ist sicher ein tragendes Element, manche schwören auf die Marke „Caputo“, andere setzen auf Farina Tenero 00. Aber auch seidiges Mehl aus Amerika wird, ohne den Nationalstolz zu verletzen, für den Teig verwendet. Dass der Mozzarella und die Tomaten aus der Region kommen, versteht sich von selbst. Mozzarella schmeckt am besten, wenn er von Kühen kommt, die nur einmal am Tag gemolken werden. Für eine perfekte Pizza darf er nicht zu feucht sein, sonst … siehe oben.

 

Das Sorbillo ist auch dem Guide Michelin eine Erwähnung wert.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Aber es muss nicht immer Pizza sein: Im Restaurant „La Bersagliera“ direkt am Kai von Santa Lucia am Castell dell’Ovo sitzt man fast auf dem Achterdeck der Yachten.

 

Muscheln in Tomatensauce stehen mit preiswerten 8 Euros auf der Karte, schmecken aber eher nach 16 Euro. Der gegrillte Schwertfisch mit Gemüse kostet 18 Euro, die Atmosphäre ist entspannt. Auch Richard Burton und Elizabeth Taylor sollen von der Küche begeistert gewesen sein, wie mir die Chefin stolz berichtet. Allerdings gehe ich davon aus, dass der verantwortliche Küchenchef aus dieser Zeit mittlerweile nicht mehr am Herd steht. Überlebt hat die schöne Jugendstil-Decke mit üppigem Stuck, Fresken und Ornamenten.

 

Restaurant La Bersagliera: Lunch und Dinner mit Blick auf die Yachten im Hafen.

Restaurant La Bersagliera: üppiger Stuck und Jugendstil.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Im kleinen „Il Gobbetto“ in einer kleinen Seitenstraße der Via Toledo geht es familiär und rustikal zu.

 

Der Service agiert im folkloristischen Outfit, die Stimmung ist an der Decke, die Preise sind am Boden. Spaghetti mit Venusmuscheln 6 Euro, Schinken mit Mozzarella 6 Euro, Schwertfisch Messina 7 Euro, Dessert vom Buffet 3 Euro, ein Glas Hauswein 1,50 Euro – und alles in ordentlicher Qualität, den Hauswein vergesse ich schnell …