Patagonien:
Ab in den Schnee-Süden

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Calafate

Da brechen sie ein Stück vom Gletscher ab und tun es in dein Whisky-Glas, während du über knackendes Eis läufst – ich weiß nicht, ob es diese einprägende Schilderung einer Freundin war, oder einfach mal die Lust, einen etwas anderen Urlaub zu machen, die mich nach Patagonien trieb. Im deutschen Hochsommer und im tiefsten argentinischen Winter. So weit in den Süden, dass es schon wieder kalt wurde. „Willkommen am Ende der Welt“, steht auf einem Hinweisschild am Flughafen von Calafate, als wir aus dem Flugzeug steigen. Auf der Karte ist er knapp über dem südlichsten Zipfel Argentiniens mit dickem roten Punkt markiert.

 

Anflug nach Patagonien: schon der Blick
aus dem Flugzeugfenster ist ein Highlight.

Inna Hemme am Flughafen von Calafate.

Fotos: Inna Hemme

 

„Welthauptstadt der Gletscher“ nennt man diesen im Laufe der letzten zehn Jahre von rund 6.400 auf 20.000 Einwohner angewachsenen Touristenort am Lago Argentino im Süden Patagoniens.

 

Hauptgrund für den Boom war der Bau des Flughafens. Er ermöglichte einen viel schnelleren Zugang zu den berühmten Gletschern der Region, sie heißen Upsala, Perito Moreno und Spegazzini. „Minus elf heute“, sagt der Pilot, während er mit seiner dicken Winterjacke an uns vorbeigeht. Für manchen mag diese Bemerkung das Ende der Welt bedeuten. Nicht für meine beste Freundin Caro und mich – wir sind stolz, in diesem Sommer nicht an einem überfüllten europäischen Strand zu liegen.

 

Calafate mit seinen wuchtigen Gletschern ist äußerst
sehenswert – es muss nicht immer Strand und Sonne sein.

Foto: Inna Hemme

 

Nein, wir bezwingen den Gletscher, gefährliche Tiere und trinken dabei Whisky – so kalt wie noch nie. „Welche Whisky-Tour?“, fragt uns der Mann an der Rezeption. „Ah, die Gletscherwanderung? Nee, die gibt’s gerade nicht. Der Gletscher ist gesperrt, ist zu viel Schnee gefallen.“ Schweigen. „Und gefährliche Tiere?“, haken wir nach. „Na ja, es gibt viele Hunde. Und ihr könnt reiten gehen …“ Frustriert ziehen Caro und ich in unser Häuschen und gehen zum Lago Argentino spazieren – um zu sehen, dass alles halb so schlimm ist …

 

Von unserem gemieteten kleinen Häuschen
aus ging die Tour um den Lago Argentino los.

Lago Argentino: märchenhaft im Winter.

Fotos: Inna Hemme

 

… der verschneite See wirkt wie aus einem Märchen gefallen!

 

Die weißen Wolken hängen unter den mit Schnee bedeckten Bergzipfeln und über den mindestens genauso weißen Pferden, pinke Flamingos steigen vom Eisspiegel des größten Sees des Landes hoch.

 

Eins der schönen weißen Pferde, die man um den
Lago Argentino beim grasen beobachten kann.

Prachtvolle Winter-Kulisse am Lago Argentino.

Hier gerät man wahrlich ins Träumen …

Fotos: Inna Hemme

 

Und als wir zurück zum Hotel kommen (mit einer Flasche argentinischen Rotwein im Gepäck, versteht sich), warten schon unsere Hunde auf uns. Die wir dann trotz Verbote der Rezeptionisten mit ins Bett nehmen. Wir haben ja nicht umsonst unser eigenes Häuschen gebucht.

 

Nach einem traumhaften Sonnenuntergang
ging es zurück ins Häuschen …

Foto: Inna Hemme

 

Wir waren übrigens im Hotel Blanca Patagonia Hostería Boutique y Cabañas – zwar nicht besonders zentral, aber günstig und mit tollem Blick.

 

Um halb sieben klingelt am nächsten Morgen der Wecker. Man kann zwar nicht auf den Gletscher, aber zumindest direkt davor. Unsere Tour (ca. 60 Euro von allen Hotels buchbar) startet bald, es ist noch ganz dunkel. Ich versuche, meinen Fuß in die von Oma gestrickte Wollsocke zu quetschen, um dann, noch auf einem Bein springend, den Skianzug von der Heizung zu holen. Wessen Idee war das das eigentlich mit Patagonien im Sommer? Wir checken noch neidisch ein paar Bikini-Badeseefotos unserer Freunde aus Deutschland, dann fahren wir los.

 

Hotel Blanca Patagonia: Blick auf den See von der Lobby.

Alte Schilder aus Calafate zieren die Wände.

Fotos: Inna Hemme

 

Nach über einer Stunde Fahrt von Calafate erreichen wir den 80 Kilometer entfernten Nationalpark Los Glaciares.

 

Zunächst fahren wir mit einem Schiff an den Gletscher ziemlich nah heran. Das war der erste Gletscher, den ich je gesehen habe. Diese Erfahrung war sogar schöner als meine erste Pizza. Eine halbe Stunde später sind wir runter vom Boot.

 

Mit einem Schiff ging es an den riesigen Gletschern vorbei.

Fotos: Inna Hemme

 

Und nach weiteren 20 Minuten Autofahrt stehen Caro und ich endlich vor dem Perito Moreno, dem wohl berühmtesten Gletscher der Welt. Von der Unesco 1981 als Teil des Nationalparks zum Weltnaturerbe erklärt, zwängt er sich auf über 30 Kilometern Länge durch die Schluchten der Anden. Seine Zipfel erinnern an eine sehr sehr große Baiser-Torte.