Johann Lafer wird 60: Ein Leben für den guten Geschmack

Posted on Posted in Deutschland, International, Lifestyle

Stromberg

Johann Lafer wurde am 27. September 2017 60 Jahre alt. GOURMINO EXPRESS Autor Wolfgang Ritter traf Deutschlands bekanntesten Fernsehkoch im Parkhotel Idar-Oberstein:

 

Sternekoch Johann Lafer und Gourmino Express Autor
Wolfgang Ritter im Gespräch im Parkhotel Idar-Oberstein.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Herr Lafer, Sie werden am 27. September 2017 60 Jahre alt. Wie wird gefeiert?

Ich nehme mir die Freiheit und werde nur im ganz kleinen Kreis feiern. Mit Menschen, die mir etwas bedeuten und die mir wichtig sind. Meinen 50. habe ich ganz groß mit vielen Freunden auf der Stromburg gefeiert, aber den 60. gehe ich ruhiger, besinnlicher an.

 

Residenz des TV-Kochs: Die mächtige
Stromburg in Stromberg/Rheinland-Pfalz.

Hier schmeckt es noch mal so gut: Lunch im Kräutergarten.

Fotos: Michael Schönherr / Stromburg

 

Sie sind jede Woche im Fernsehen, Sie schreiben Kochbücher, Sie entwickeln hochwertige Produkte für den ambitionierten Hobbykoch, sie kochen bei Großveranstaltungen und letztendlich sind Sie der Chef in der Stromburg. Wie schaffen Sie das?

 

Das kann man nur machen, wenn man in eine solche Situation hineinwächst. Von heute auf morgen geht das nicht. Dieses System hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte so entwickelt. Natürlich setze ich ganz klar meine Mitarbeiter in den Mittelpunkt. Ohne sie könnte ich meine Ideen in dem Aufwand so nicht umsetzen. Es ist mir, so glaube ich, immer gelungen, viele Mitarbeiter langjährig an mein Haus zu binden, sie sind der Garant für meinen Erfolg. Alleine schafft man das nicht. Es geht nur in der Zusammenarbeit mit den Menschen.

 

Johann Lafer: Zu Recht stolz auf seine Stromburg.

Foto: Stromburg

 

Der französische Starkoch Paul Bocuse wurde einmal gefragt: „Herr Bocuse, wer kocht eigentlich wenn Sie nicht da sind? Da kocht der, der auch kocht, wenn ich da bin.“ war seine Antwort. Ist es bei Ihnen ähnlich?

 

(lacht) Dieses Zitat ist mir natürlich bekannt. Bocuse war sicher viel unterwegs. Ich bin nach wie vor in der Küche, bin aber auch viel gereist und habe mich in den Töpfen anderer Länder umgeschaut. Das ist wichtig. Meinen jetzigen Küchenchef habe ich ein Jahr durch die ganze Welt geschickt und natürlich auch die Reisen bezahlt. Ich wollte, dass er, bevor er sich entscheidet, länger in der Stromburg zu bleiben, seinen Wissenshunger befriedigt. Ich investiere sehr gerne und sehr viel in meine zukünftigen Mitarbeiter im Vorfeld und habe hinterher weniger Probleme mir nach kurzer Zeit wieder einen neuen Chef zu suchen, der meine Linie kocht.

 

Haben Sie sich jemals erträumt, dass Sie so einen großen Erfolg haben werden?

 

Nein. Darüber habe ich nie nachgedacht. Ich komme von einem kleinen Bauernhof in der Steiermark und ich muss ganz ehrlich sagen, ich hatte nie die Absicht, aus mir etwas Außergewöhnliches zu machen, weil ich ja gar nicht die Perspektive und das Potential gesehen habe. Ich bin Koch, ich habe das mit Leidenschaft gelernt und auch zuhause gerne gekocht. Dass daraus diese Dimension entstanden ist, darüber bin ich sehr glücklich, aber es gab keinen strategischen Plan dafür.

 

Seit 2000 hat Johann Lafer hat auch den Flugschein für
Helikopter. Gefragt sind seine Heli-Gourmet Rundflüge.

Foto: Stromburg

 

Sie kochen schon seit über 25 Jahren an der deutschen Spitze. Ich kenne Sie aus Zeiten, da waren Sie Chef-Pâtissier (Konditormeister) in den legendären Schweizer Stuben in Wertheim.

 

Ich habe 1977 in Deutschland angefangen, habe mich dann 1988 selbständig gemacht. Davor hatte ich aber schon ein Zwei-Sterne-Restaurant in Guldental. Das ist fast 30 Jahre her. 1985 habe ich beim Bayerischen Fernsehen angefangen. Wenig später bei Thomas Gottschalk im ZDF war ich so aufgeregt, dass ich Beruhigungstabletten genommen habe, was zur Folge hatte, dass ich in der Sendung fast eingeschlafen bin und kaum etwas sagen konnte. Seit dem habe ich über 5.000 Sendungen im Fernsehen gemacht.

 

Johann Lafer: Erfolgreichster Fernsehkoch der Nation.

Foto: Stromburg

 

Was war der Höhepunkt Ihrer Koch-Karriere?

 

Ich hatte viele bedeutende Momente in meinem beruflichen Leben. Sicher war einer davon, als ich für den amerikanischen Präsidenten George W. Bush kochen durfte. Auch letzte Woche, als ich für Königin Silvia von Schweden in Heidelberg ein Dinner ausrichten durfte, wird für mich unvergesslich bleiben.

 

Gab es auch Tiefpunkte?

 

Sicher, jeder hat in seinem Leben Höhen und Tiefen. Ich habe es sehr bereut, dass ich bei der Geburt meines Sohnes nicht dabei war. Zu dieser Zeit war der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einer Delegation im Haus. Das war mir damals wichtiger … Aber meine Frau und mein Sohn haben mir verziehen.

 

Power-Paar: Silvia und Johann Lafer in ihrem Restaurant.

Foto: Stromburg

 

Sind Sie mehr der Pâtissier oder der Koch?

 

Es ist nach wie vor so, dass die Pâtisserie mein persönliches Steckenpferd ist. Ich bin ja mit den österreichischen Mehlspeisen groß geworden. Natürlich ist mittlerweile in meinem Unternehmen alles viel komplexer geworden, die Verantwortung hat sich auf die ganze Küche und das Hotel erstreckt. Aber wenn man mich morgens aufwecken würde und ich müsste mich entscheiden, was machst du gerne, würde ich sagen: Pâtisserie.

 

Typisch Lafer: Ein Dessert wie ein Blumenstrauß.

Foto: Stromburg

 

Apropos Desserts. Wie halten Sie sich fit und ihre Figur?

 

Grundsätzlich mache ich ein wenig Sport und bewege mich ein bisschen, damit ich nicht ganz so auseinandergehe wie ein Hefeteig. Aber alle meine Aktivitäten fordern auch Kalorien.

 

Ernähren Sie sich gesund?

 

Na ja. Ich esse halt einfach zu gerne und nicht nur das was gesund ist, und ich versuche nur natürliche Lebensmittel zu essen.

 

Und wer kocht zuhause?

 

Da kocht meine Frau, weil ich bin einfach selten zu Hause. Meine Frau ist auch diejenige, die dafür sorgen muss, dass unsere Kinder was zum Essen haben.

 

Was sind Ihre Lieblingsgerichte?

 

Nach wie vor ein schönes Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat. Das ist für mich Heimat, Mutter, Kindheit, davon bin ich immer sehr begeistert, wenn es gut gemacht ist.