Apu­lien – Welt­kul­tur­erbe & Wein zwi­schen den Meeren

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Süditalien

Nach wie vor ist Italien das Sehnsuchtsland der Deutschen. Doch die meisten kommen nicht weiter südlich, als bis nach Rom. Selbst Neapel und die Amalfitana (Küstenstraße) mit den Sehnsuchtsorten Positano, Ravello und Amalfi kennen nur wenige. Dabei hat der Mezzogiorno, also Süditalien, einiges zu bieten. Gerade Apulien mit seiner Hauptstadt Bari an der adriatischen Küste bietet Sehenswürdigkeiten, die auch zum Weltkulturerbe gehören.

 

Die Trulli, die kegelförmigen Steinhäuser mit den schuppenartigen Zipfelmützen-Dächern sind das Wahrzeichen der Region.

 

Die Trulli: Weltkulturerbe und Wahrzeichen von Apulien.

Trulli: In vielen Trulli sind Hotels
und Gästehäuser untergebracht.

Trulli: südlich von Bari findet man überall die
Rundhäuser mit den Zipfelmützendächern.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Die meisten stehen in Alberobello, aber man findet sie überall südlich von Bari. Früher waren das Arme-Leute-Häuser in den Feldern, heute sind in vielen Pensionen und Hotels untergebracht – und sehr gut gebucht. Sehenswert auch Ostuni, in der Provinz Brindisi, bekannt als die weiße Stadt und Locorotondo, nur wenige Kilometer entfernt. Weiter südlich begeistert Lecce, die Stadt auf der Halbinsel Salento (der „Absatz“).

 

Locorotondo: herrliche Stadt in der Nähe von Fasano.

Alberobello ist Weltkulturerbe:
Hier sind die meisten Trulli zu bestaunen.

Ostuni: Die weiße Stadt südlich von Monopoli.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Das historische Zentrum ist Zeuge der griechisch-römischen Vergangenheit. Das charakteristische, barocke Stadtbild stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert, was der Stadt den Beinamen „Florenz des Barock“ eingebracht hat (s. auch GOURMINO EXPRESS Artikel „Süd­ita­lien – Pesce, Pasta, Pizza & Pri­mi­tivo di Man­du­ria“). Ich war mit Freunden einige Tage in dieser Region unterwegs, um Land und Leute, aber vor allem den Wein näher kennen zu lernen.

 

Alfons, Clemens und Peter:
Die „Drei“ von der Tankstelle.

Foto: Wolfgang Ritter

 

In Apulien wird der meiste Wein Italiens produziert, mehr als in allen Weinanbaugebieten in Deutschland zusammen.

 

Der Großteil sind Massenweine, aber mittlerweile gibt es auch einige Weingüter und Genossenschaften, die Weine mit internationalem Format produzieren. 80 Prozent der Produktion sind Rotweine. Die wichtigsten Rebsorten sind der Primitivo und die Negroamaro. Die Primitivo-Traube ist eine der ältesten Sorten Europas. In Kalifornien wird dieser Wein unter dem Namen Zinfandel verkauft. Primitivo bedeutet übrigens nicht, dass es sich hier um einen einfachen oder minderwertigen Wein handelt. Primitivo bedeutet „der Erste“, und verweist auf die frühe Weinlese. Der Bekannteste ist sicher der Primitivo di Manduria. Der Wein zeichnet sich aus durch seine tiefe Farbe, er duftet nach Brombeeren, Pflaumen, Zimt und Pfeffer, hat aber oft einen recht hohen Alkoholgrad mit bis zu 17% Alk.

 

Rotweinrebe Primitivo:
die wichtigste Rebsorte in Süditalien.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Die Weine sind in Deutschland meist unter zehn Euro zu haben, also viel Wein für wenig Geld.

 

Die zweitwichtigste Rebsorte ist die Negroamaro, der schwarze „Schwarze“. Auch er ist ein schwerer, alkoholreicher Wein mit tiefdunkler Farbe. In der Nase Aromen wie dunkle Kirschen, Schokolade und Lakritze.

 

Negroamaro, eine der wichtigsten Rebsorten von Apulien.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Grundsätzlich kommen die besten Weine von der Halbinsel Salento – aber auch im Anbaugebiet Castel del Monte werden sehr gute Weine produziert.

 

Das achteckige Castel steht seit 1996 in der Liste des Weltkulturerbes. Im Hinterland von Bari werden kräftige, Gerbstoff reiche und langlebige Weine produziert. Die wichtigsten Sorten sind Montepulciano, Aglianico und Uva di Troia. Hier geht man mit dem Alkoholgehalt etwas maßvoller um. Wie schon erwähnt, Apulien ist ein Rotweinland, Weißweine haben es aufgrund der klimatischen Bedingungen schwer, Spitzenweine wie aus dem Friaul oder Südtirol sind nicht zu finden. Doch Weine, die für kleines Geld viel Trinkspaß bringen gibt es in jeder Trattoria und in jedem Restaurant. Die wichtigsten weißen Rebsorten sind der Fiano, Bianco di Alessano, Falanghina, Bombino Bianco, Moscato di Trani und natürlich auch der weltweit verbreitete Chardonnay.

 

Castel del Monte: Weltkulturerbe und
auf vielen Weinetiketten zu finden.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Die besten Weißen kommen aus dem Trulli-Gebiet, südlich von Bari. Auch der Weingigant Antinori aus der Toskana produziert seit 20 Jahren Weine in der Provinz Brindisi. Bekannt ist der einfache Chardonnay Tormaresca für etwa 8 Euro, anspruchsvoller ist der Chardonnay „Pietrabianca“ Castel del Monte für etwa 16 Euro.

 

Wir streifen Brindisi, eine der wichtigsten Hafenstädte an der Adria.

 

Hier haben die Vereinten Nationen eine riesige Versorgungsbasis, Fähren starten zu verschiedenen Reisezielen auf der anderen Seite der Straße von Otranto (nach Albanien nur etwa 70 Kilometer).

 

Der Hafen von Brindisi: Marinestützpunkt und Handelshafen.

Foto: Wolfgang Ritter

 

Kurz vor Monopoli ist Lunch im Ristorante Elia angesagt.

 

Wir sitzen auf der Terrasse, die Speisekarte animiert zum zu viel bestellen. Alles, was das Meer hergibt ist vertreten: Thunfisch vom Grill, frittierte Scampi mit feinem Engelshaar, Paccheri mit Hummer, Makrelen und Calamari.