„Keine Ente in Peking“ (Südchinesische Überraschungen)

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Peking

Peking scheint von Berlin aus um die Ecke, warum waren wir nicht schon viel früher dort, fragen wir uns: Die chinesische Fluggesellschaft Hainan Airlines fliegt fünf Mal die Woche für ab 500,- Euro in etwa 9 Stunden direkt von Berlin nach Peking und zurück, optional gibt es noch einen Inlandsflug hin und zurück nach Shanghai. Als wir angekommen sind, erst einmal erschlagen von den vielen Menschen, aber durchaus positiv überrascht von der Moderne. So lässt sich der frisch gepresste Orangensaft, der vor unseren Augen im Frischpress-Automat zubereitet wird, nur per „WeChat“ via Handy bezahlen. Eine nette Chinesin hilft dabei aus. „WeChat“ (chinesisch 微信, Pinyin Wēixìn „kleine Nachricht“) ist das sogenannte chinesische Facebook, nämlich Facebook, Whatsapp und Bezahlsystem – alles in einem.

 

Verblüffend ist auch der Luxus in der Stadt, eine gesichtslose Hochglanz-Mall reiht sich neben der anderen, ganze Marken-Häuser à la Dior und Chanel zieren mehr oder minder die Straßen – Peking ist eine der Städte mit der höchsten Millionärsdichte!

 

Peking bei Nacht – eine pulsierende Metropole!

Foto: Unbekannt

 

Abends sind wir mitten in Peking. Bunte Leuchtreklameschilder an den Straßen, überall Menschen. Wohin bei der riesigen Auswahl an Restaurants mit unverständlichen Speisekarten und noch nie gesehenen Pilz- und Gemüsesorten, aber auch seltsam anmutenden Tierteilen? Und wie darüber verständigen, welche exotischen Gerichte wir auszuprobieren wagen? All diese Fragen werden mühelos im Dali Courtyard beantwortet. Das schmucke Restaurant liegt inmitten der engen Altstadtgassen Pekings, den sogenannten Hutongs, versteckt. Hier findet man noch die traditionellen Vierkanthöfe: Von außen sind es nur unscheinbare Mauern, der Innenhof jedoch ist das Zentrum des täglichen Lebens, von dort aus gehen die teils prächtigen Zimmer ab.

 

Das Dali Courtyard ist solch ein liebevoll restauriertes Haus, wo wir umgeben von Pflanzen und plätschernden Wasser im Innenhof, dem Courtyard, den lauen Pekinger Abend genießen.

 

Das Dali Courtyard – ein verstecktes Juwel
in den engen Altstadtgassen Pekings.

Im Dali Courtyard erwartet einen das „best of“
der südchinesischen Yunnan-Küche.

Das Dali Courtyard wurde erst von den
„Timeout Bejing" Food Awards ausgezeichnet.

Fotos: Nino v. Finck

 

Das Konzept des versteckten Juwels: Ein sich täglich änderndes Menü, für einen Fixpreis von 150 Yuan (etwa 20 Euro). Dafür bekommen wir 10-12 Gänge, ein „best of“ der südchinesischen Yunnan-Küche, ganz ohne Verständigungsprobleme. Denn eine Speisekarte gibt es nicht. Die Weinkarte hingegen ist gut sortiert und übersetzt, nur ein Fingerzeig und ein Lächeln ist nötig und der Gaumenschmaus kann losgehen. Nach und nach füllt sich der Tisch mit Köstlichkeiten. In China bestellt niemand für sich, die Speisen kommen in die Mitte des Tisches und werden geteilt. Serviert werden eingelegte Pilze mit grüner Zitronenmelisse, raffinierte Knusperröllchen gefüllt mit Gemüse, Schweinefleisch und viel Koriander, sowie gebackener Ziegenkäse mit Kräutern. Das Rührei mit Jasminblüten ist genauso überraschend wie köstlich.

 

Die Provinz Yunnan (übersetzt südlich der Wolken) grenzt an Laos, Myanmar und Vietnam – folglich auch die kulinarischen Einflüsse der Gewürze, beim Reinbeißen in das knusprige Hühnchen mit Erdnusssauce fühlen wir uns wie in den letzten Thailand-Urlaub versetzt.

 

Knuspriges Hühnchen mit Erdnusssauce.

Rührei mit Jasminblüten.

Gebackener Ziegenkäse mit Kräutern.

Knusperröllchen gefüllt mit Gemüse, Schweinefleisch und Koriander.

Fotos: Nino v. Finck

 

Ein besonderes Merkmal der Hunan-Küche ist auch die Schärfe – getrocknete Chilis werden oft verwendet. So sind die knusprig angebratenen Spargel wunderbar scharf und brennen angenehm auf der Zunge. Besonders bekannt ist die Region auch für die vielen teils seltenen Pilzsorten. Deshalb wundern wir uns nicht, als noch ein weiteres Pilzgericht, eine Art Pilzragout, eingewickelt in Pflanzenblättern von einer freundlichen Kellnerin an den Tisch gebracht wird. Selbst Pilzskeptiker werden überzeugt! Zur Krönung des Ganzen werden gebratene Garnelen serviert. Herrlich gewürzte Tofu-Nudeln, sowie verschiedene Gemüsesorten, wie Auberginen und Spinat in allen Variationen runden den Gaumenschmaus ab.

 

„Hier führen wir all unsere Delegationen hin, das hat genau das Ambiente, das die deutschen Manager oder Politiker in China erwarten“, erzählt uns eine deutsche Diplomatin beim Abendessen.

 

Pikante Tofu-Nudeln.

Gebratene Garnelen.

In Pflanzenblättern eingewickeltes Pilzragout mit Reis.

Gebratenes Gemüse.

Fotos: Nino v. Finck

 

Tatsächlich, so erkennen wir im Laufe der nächsten Tage, haben die traditionellen chinesischen Restaurants für unser Empfinden häufig wenig Charme. Meist gibt es Neonleuchten, Plastikdecken und die Reste werden einfach auf den Boden geschmissen. Zwischendrin rollen Kellner mit Plastikkarren durch die Tischgänge und kippen die Reste zusammen. Kurzum, wir sind froh im Dali Courtyard den Abend und das gute Essen zu genießen, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass wir zukünftig auch nur eines dieser köstlichen Gerichte bei anderer Gelegenheit benennen könnten.

 

Zu guter Letzt nehmen wir noch einen Absacker in der bekannten „Mai Bar“, die mit zahlreichen Preisen, wie vom „Timeout Bejing“ ausgezeichnet wurde.

 

Charmantes Ambiente in der Mai Bar.

In der Mai Bar gibt es ausgezeichnete Cocktails und Longdrinks.

Die Mai Bar wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Fotos: Nino v. Finck

 

Der Fußweg vom Restaurant bis zur Bar in den engen Gassen voller seltsamer Gerüche und Gestalten ist zwar abenteuerlich, aber wir werden mit ausgezeichneten Cocktails (der Passion Bejing mit Gin und Passionsfrucht ist zu empfehlen) und rauen, aber charmanten Ambiente belohnt. In der Bar kommen wir mit einem deutsch-chinesischen Unternehmer ins Gespräch, Thema ist die enorme Luftverschmutzung in Peking (teilweise die höchsten Feinstaubwerte weltweit), Elektroautos müssen dringend her. Die meisten Mofas funktionieren schon mit Elektroantrieb. Deutsche Automobilunternehmen planen hier in den nächsten Jahren eine halbe Milliarde Elektroautos zu verkaufen. Das zeigt, wenn es gewollt ist, geht es auch … Der deutsch-chinesische Unternehmer klagt über die vielen Bedenkenträger in Deutschland. Hier herrsche eine ganz andere Mentalität: In China werden die Dinge umgesetzt und danach erst die Probleme gelöst. Das lässt mehr Freiraum für Fehler.

 

Die Cocktails in der Mai Bar sind einfach fantastisch!

Foto: Nino v. Finck

 

Obwohl wir nur einen Bruchteil von China gesehen haben, macht das Lust auf mehr. Es tut gut, über den Tellerrand zu schauen, vom quirligen, aufwärts strebenden Peking lässt sich viel lernen. Darauf trinken wir noch einen Cocktail, bevor es am nächsten Tag nach Shanghai weitergeht!

 

Dali Courtyard

67 Xiaojingchang Hutong
Dongcheng Qu, 100007
+86 10 84041430

 

Mai Bar

40 N Luogu Alley
Dongcheng Qu, Beijing Shi, 100007
+86 10 64061871

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