„Nithan Thai“ und das Märchen von Naomi und Chaim Hurvitz

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Tel Aviv

Es ist eine Story wie aus einem romantischen Hollywoodfilm – nur besser, weil die Geschichte wahr ist. Das Happyend: die Heirat mit einem Milliardär und die Verwirklichung des Lebenstraumes eines eigenen Restaurants, das ohne Kompromisse der eigenen Philosophie entspricht. Naomi Hurvitz lebt gerade dieses Märchen, sie fand die Liebe ihres Lebens und verwirklicht ihre Träume. Der Name ihres Restaurants „Nithan Thai“ passt dazu, die Bedeutung des Namens ist „Thai Märchen“. Erst vor 9 Monaten eröffnete das Restaurant in Tel Aviv und ist schon heute eines der Hot Spots beim verwöhnten Publikum in der Trend-Metropole Israels. Vor ein paar Tagen dann in Berlin Mitte die Eröffnung des zweiten gleichnamigen Restaurants. GOURMINO EXPRESS besuchte beide Locations und traf die Inhaber Chaim und Naomi Hurvitz in Tel Aviv.

 

Das „Nithan Thai“ in Berlin von außen.

Die Bar des „Nithan Thai“ in Berlin.

Das „Nithan Thai“ in Tel Aviv von innen.

Fotos: PEPPER Public + Event Relations / Nithan Thai

 

Es war ein weiter Weg, den Naomi Hurvitz gehen musste, bevor sie ihren Mann heiraten und ihre eigenen Restaurants eröffnen konnte.

 

Ihr Mann ist der Sohn des legendären Gründers des Pharmagiganten Teva (weltweit über 60.000 Mitarbeiter) und einer der reichsten Männer Israels. Der Konzern hat auch Standorte in Deutschland, übernahm zum Beispiel 2010 den Arzneimittelhersteller Ratiopharm für 3,6 Milliarden Euro, nachdem dessen Mehrheitseigentümer in eine finanzielle Schieflage geraten war. Als Naomi geboren wurde, war sie weit weg von dieser Welt, in der sie heute lebt. Ihre Kindheit erlebte sie in der thailändischen Provinz. Naomi: „Ich war glücklich, ich erinnere mich an satte Natur und ein unbekümmertes Leben auf dem Dorf. Das Wasser schöpften wir zwar aus dem Brunnen und hatten oft Hunger, aber glücklich waren wir trotzdem!“ Die dunklen Wolken zogen für Naomi und ihre Familie erst auf, als ihr Vater von einer Gang niedergeschossen wurde. Naomi: „Sie wollten die Macht im Dorf übernehmen, meine Mutter flüchtete dann mit mir und meinem Bruder nach Bangkok, mein Vater kam dann ein paar Monate später nach, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

 

Chaim und Naomi Hurvitz im Nithan Thai in Tel Aviv
mit Gourmino Express Chefredakteur Jürgen Wenzel.

Foto: Jürgen Wenzel

 

Naomi erinnert sich: „Die Bilder meines fast verblutenden Vaters lassen mich auch heute nicht los!“ In der Metropole Bangkok wurde das 11 jährige Mädchen von den anderen Kindern gemobbt. Naomi: „Sie waren sehr grausam. Wir Kinder vom Land sahen damals natürlich anders aus, als die Kids in der Stadt. Mit meinen gelben Zähnen ließen mich die anderen Kinder spüren, dass ich nicht zu ihnen gehörte!“ Doch die kleine Naomi war schon damals eine Kämpferin. Sie putzte sich heraus, verwandelte Schwächen in Stärken und arbeitete als Teenager sogar erfolgreich als Model. So lernte sie ihren ersten Mann kennen, der Naomi schließlich in seine Heimat Israel mitnahm. Gemeinsam eröffneten sie dort das erste thailändische Catering des Landes, das sehr erfolgreich lief. Das Geschäft blühte, doch die Liebe zerbrach. Naomi: „Wir ließen uns scheiden, er führte das Geschäft dann alleine weiter!“

 

Den Traum eines eigenen Restaurants hatte Naomi schon damals – sie hatte die Vorstellung eines einzigartigen authentischen Ambientes, das das royale Thailand in all seiner Feinheit und Hochkultur zeigt.

 

Ein hoher Anspruch. Naomi: „Doch ich war weit weg davon, diesen Traum umzusetzen. Ich musste mich um das tägliche Überleben kümmern, daneben war kein Platz etwas aufzubauen.“ So jobbte sie als Kellnerin und auch als professionelle Masseurin in einem exklusiven Wellnessstudio im Hilton Hotel in Tel Aviv. Einer ihrer Kunden war Chaim Hurvitz. Naomi erinnert sich: „Wir sahen uns alle paar Wochen einmal, aber er war immer ernst, wir sprachen eigentlich nie miteinander. Ich tat meine Arbeit und das wars!“ Als sie in dem Studio kündigte, verlor man sich aus den Augen. Doch ein halbes Jahr später begegneten die beiden sich zufällig auf der Straße wieder. Naomi: „Er fragte mich, warum ich nicht mehr in dem Studio arbeitete und ob ich ihm zu Hause helfen könnte, da er seinen Haushalt neu organisieren müsste, nach der Trennung von seiner Frau.“ Naomi willigte ein, kümmerte sich um die Organisation seines Haushalts, auch um seine Kinder und brachte wieder Sonne in eine für den Manager schwierige Lebensphase.

 

Feierten den Valentinstag in ihrem eigenen
Restaurant: Naomi und Chaim Hurvitz.

Foto: Jürgen Wenzel

 

Chaim Hurvitz erinnert sich: „Ich bin in meinem Leben durch unseren Konzern viel herumgekommen. Die asiatische Kultur und besonders die thailändische hat mich immer fasziniert. Andere Menschen glücklich zu machen ist den Thailändern eine echte Herzensangelegenheit.“ Nach einiger Zeit fragte Chaim, ob Naomi mit ihm Essen gehen wolle. Naomi: „Ich sagte zu und es wurde ein wunderschöner Abend, aber ich konnte einfach nicht glauben, dass er sich wirklich für mich interessiert. Ich dachte, er spielt nur mit mir. Deshalb hab ich mich danach zunächst zurückgezogen und mich nicht mehr bei ihm gemeldet. Nach einigen Tagen stand er vor meiner Tür und wollte wissen, warum ich plötzlich verschwunden war!“ Das war der Beginn einer romantischen Beziehung, die in Israel schließlich in den Medien für Schlagzeilen sorgte.

 

Alle großen Zeitungen und Societymagazine berichteten über das Paar und ihre Heirat.

 

In Israel ziert Naomi Hurvitz die Cover von Societymagazinen.

Magazine in Israel berichten über die wunderbare
Geschichte von Chaim und Naomi Hurvitz.

Fotos: Jürgen Wenzel

 

Die Namen Hurvitz und Teva kennt in Israel jeder. Für Naomi war die Heirat mit einem vermögenden Mann aber nicht das Ende ihrer aufregenden Reise, sondern der Beginn einer neuen Etappe. Naomi: „Ich wollte immer zeigen, wie stark ich bin und dass ich selbst etwas leisten kann. Deswegen habe ich auch einen Ehevertrag unterschrieben, der mir im Falle einer Scheidung keine finanziellen Vorteile verschafft. Stattdessen will ich mit meinen Restaurants zeigen, was royale thailändische Kultur bedeutet und wie erfolgreich ich mit diesem Restaurantkonzept sein kann. Dabei ist mir auch wichtig, ein anderes Bild von thailändischen Frauen zu vermitteln, als das vorherrschende. Thailändische Frauen waren zu jeder Zeit stark und eigenständig, haben früher sogar im Krieg für ihr Land gekämpft!“

 

Es sind diese historischen Bezüge, Mythen und Werte aus ihrer alten Heimat, die sich im „Nithan Thai“ wiederfinden.

 

Kunstwerke des Royalen Thailands
schmücken den Weg zur Bar in Tel Aviv.

Kunstvolle Leuchter hängen von der
rund 6 Meter hohen Decke in Tel Aviv.

Alte thailändische Töpferkunst ziert
die Räume des Berliner Restaurants.

Fotos: Helmut v. Finck / Jürgen Wenzel

 

Handgefertigte Holzornamente an Türen und Wänden, Gemälde, vergoldetes Besteck und kostbare Gefäße oder aus Kokosnuss gefertigte Schalen. Im Stammhaus in Tel Aviv hängen von den 6 Meter hohen Decken vergoldete Lüster, deren Originale die königlichen Paläste schmücken. Alle Details der Einrichtungen wurden in Thailand gefertigt. Allein der Weg zum Barbereich in Tel Aviv ist wie der Gang durch ein Kunstmuseum. Und auch im Berliner Restaurant an der trendigen Chausseestrasse hängen im hinteren Bereich wunderbare Gemälde vom königlichen Hof des 19. Jahrhunderts. Gedämpftes Licht schafft eine zauberhafte Atmosphäre, dazu loungige Beats. Im Vorderteil des „Nithan Thai“ in Berlin lädt eine coole Bar zu Aperitifs und Cocktails ein, jedes Möbel ist ein Schmuckstück für sich. Im hinteren Teil residiert die offene Küche, in der der megadynamische und immer unter Strom stehende Küchenchef und Starkoch Shahaf Shabtay Regie führt. Seine Speisen verbinden einzigartig royale thailändische Küche mit Einflüssen aus der ganzen Welt.

 

Shabtay: „Meine Arbeit führte mich in die verschiedensten Länder der Welt. Und überall finden sich andere Formen der Thai Küche – das beste davon habe ich für das ‚Nithan Thai‘ interpretiert.“

 

Foto: Helmut v. Finck / PEPPER Public + Event Relations

 

So stammt eine fantastische Teigtasche zum Beispiel aus der usbekischen Küche. Es ist eine unbeschreibliche Sinnesreise, auf die sich der Gast in den Räumen des „Nithan Thai“ begibt. Immer wieder wird er von der nie zuvor gesehenen Optik der Gerichte in die Irre geleitet und dann geschmacklich überrascht. Am besten man bestellt sich ein paar Leckereien und teilt sich diese mit der Begleitung. Wunderbar zu Beginn kommt der grüne Papaya Salat mit Mango, Chukka Chili und Minze. Ein absoluter Traum auch das Beef Bangkok mit Sesam.

 

Im ganzen fasziniert auch die top Qualität der Ausgangsprodukte, zum Beispiel die sensationellen Shrimps mit Glasnudeln, Kokosnuss und Chili.

 

Küchenchef und Starkoch Shahaf Shabtay (m.) mit Gourmino Ex-
press Chefredakteuren Helmut von Finck (l.) und Jürgen Wenzel(r.).