Bhf-Restaurant Le Train bleu, Paris – Speisekarte statt Fahrkarte

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Paris

Für mich ist es das schönste Restaurant in Paris und ohne Frage das schönste Bahnhofsrestaurant der Welt: „Le Train bleu“ im Gare de Lyon im 12. Arrondissement. Wer den Geschmack der Belle Epoque, überbordenden Stuck, Blattgold und bombastische Wandgemälde liebt, kann hier in seinen Träumen schwelgen. Wer zum ersten Mal das Restaurant betritt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Was in Österreich als Bahnhofsrestauration, in der Schweiz als Bahnhofsbuffet und in Deutschland oft als Bahnhofswirtschaft bezeichnet wird, ist hier ein monumentales Restaurant, eine Orgie in üppiger Pracht und verschwenderischem Prunk.

 

Das Restaurant wurde am 7. April 1901 anlässlich der Weltausstellung vom Staatspräsidenten Emile Loubet eröffnet und wurde zum beliebten Treffpunkt der Pariser Oberschicht, aber auch der Reichen und Schönen auf dem Weg an die Côte d’Azur.

 

Restaurant Le Train Bleu. Benannt nach dem schnellsten Zug zwischen Paris und der Côte d'Azur.

Le Train Bleu … mehr Pracht geht nicht …

Wer möchte hier nicht sitzen? Der große Saal im Le Train bleu.

Fotos: Train bleu

 

1949 wurde das Restaurant nach dem „Blauen Zug“, „Le Train bleu“ benannt, der die feine Gesellschaft Europas an das Mittelmeer brachte. Aber auch Pariser Prominente zeigten sich gerne im feudalen Ambiente: die Schriftstellerin Colette, der Dichter Jean Cocteau oder die Mode-Ikone Coco Chanel. Brigitte Bardot posierte hier, und auch der Maler Salvador Dalí fühlte sich offensichtlich wohl in der so gar nicht surrealistischen Pracht. Dreißig Maler waren damals mit der Gestaltung der Wandgemälde beschäftigt. Bevorzugte Motive waren die Provence, die Landschaften und Städte, durch die der Zug auf dem Weg an die Côte d’Azur fuhr. Die allegorischen Frauengemälde an der Decke repräsentieren die drei großen Städte, in denen der Zug halt machte: Paris (P), Lyon (L), Marseille (M).

 

Aber auch heute im 21. Jahrhundert hat das Restaurant nichts von seiner ursprünglichen Faszination verloren – 1972 wurde das Restaurant unter Denkmalschutz gestellt.

 

Das ist nicht Versailles, „nur“ ein Bahnhofsrestaurant.

Hier schmecken Kaffee und Snacks noch besser: Die Bar im Bahnhof.

Ist in Bahnhofsrestaurants nicht die Regel: Edles Porzellan und feine Tischwäsche.

Fotos: Train bleu

 

Ich war vor 40 Jahren zum ersten Mal in diesen „heiligen“ Hallen und buchte in den folgenden Jahren immer wieder mal einen Tisch. Trotz der Größe des Restaurants und den 500 Gästen, die pro Tag bewirtet werden, empfiehlt sich eine Reservierung. Ich hatte mich bei meinem letzten Paris-Besuch am Mittag gegen einen Michelin-Sterne Tempel entschieden und einen Tisch im Train bleu gebucht. Erste positive Überraschung: ein freundlicher, für französische Verhältnisse fast herzlicher Empfang durch den Maître und das Service-Personal. Die Platzierung ohne Kritik, und der Aperitif war kurz nach der Bestellung am Tisch. Auch meine Liebste war nur schwer zu einem Blick in die Speisekarte zu bewegen und musste erst das prachtvolle Ambiente bestaunen und verarbeiten.

 

Die Maîtres im Train bleu: kompetent, freundlich, gut drauf …

Dinner oder Lunch mit Blick auf die Schnellzüge.

Die Speisekarte gibt es auch ohne Fahrkarte.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Letztendlich entschieden wir uns für das Art’s Menü – in drei Gängen serviert.

 

Das Citrus-Tartar von der Dorade frisch und gut gewürzt, die Fenchel Creme üppig bemessen, das geröstete Landbrot ergänzte die Textur. Auch das beste von Kalb und Geflügel mit Spinat-Cannelloni, ein wunderbares Brasserie-Gericht. Der Seeteufel mit Artischocken und Fenchel und Basilikum Pesto hatte Sterne Qualität.

 

Leichte Vorspeise: Jakobsmuscheln mit Chicorée im Safran Sud.

Üppige Vorspeise: Tartar von der Dorade auf Fenchel Panna Cotta.

Gebratene Gänseleber mit Feige und Knusper Chip.

Der Hauptgang: Das Beste von Kalb und Poularde mit Spinat Cannelloni.

Das hat Stil: Die Lammkeule wird am Tisch tranchiert.

Fotos: Wolfgang Ritter / Train bleu

 

Die Desserts wie die in Portwein marinierten Feigen mit Vanille Eis und einem köstlichen Rum Baba mit Creme Chantilly ein feiner Abschluss. Inklusive einer halben Flasche Bordeaux 65 Euro pro Person. Für Paris, wie ich finde, ein angemessener Preis – bei anderen kulturellen Monumenten muss man für das Gebotene noch Eintrittsgeld bezahlen.

 

Köstlich: Vanille Eis mit eingelegten Portwein Feigen und Nusscracker.

Auf einen Digestif kann man danach verzichten: Rum Baba mit Vanille Creme Chantilly.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Le Train Bleu, Gare de Lyon

Place Louis Armand
75012 Paris
+33 1 43 430906
contact.trainbleu@ssp.fr
www.le-train-bleu.com

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