Kufsteinerland – 2 Festspielhäuser, 1 Wirt des Jahres & 900 Sorten Gin

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Tirol

Kennst du die Perle, die Perle Tirols, das Städtchen Kufstein, das kennst du wohl, umrahmt von Bergen, so friedlich und still …? Das Lied und den Text kennt fast jeder und bei keiner Kapelle in einem Festzelt darf das Lied im Repertoire fehlen. 1947 von Karl Ganzer geschrieben und seitdem fester Bestandteil des Liedgutes der schunkel- und sangesfreudigen Mitmenschen. Aber ich muss zugeben, als Altrocker war friedlich und still nicht so mein Ding. Ich kannte kaum das Lied und erst recht nicht den Text, geschweige denn Kufstein. Der einzige wichtige Grund für mich nach Kufstein zu fahren, war die Glasmanufaktur Riedel, um mich mit neuen Gläsern der Sommeliers-Serie einzudecken.

 

Für den Wein Connaisseur ein „must“: Perfekte Riedel Gläser aus Kufstein.

Foto: Riedel

 

Ich begnügte mich damals mit Gläsern der zweiten Wahl, aber der Wein schmeckte daraus trotzdem erstklassig. Ich kannte noch den Glas-Guru Prof. Claus Riedel und durfte bei ihm meine ersten konkreten Erfahrungen über die Aromen und das Fließverhalten des Weines im Glas und im Mund erfahren. Dieses Wissen verfeinerte mir später sein Sohn Georg Riedel in vielen Gesprächen und Degustationen. Seine Philosophie über das Glas machen „Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken“, gilt auch genau so für das Kufsteinerland. Für mich gibt es heute (neben Riedel) drei Gründe nach Kufstein, oder in das Umland zu fahren – K & K & K: Kultur, Kaisergebirge, Kulinarik.

 

Für das erste „K“, also die Kultur, stehen die beiden Festspielhäuser in Erl.

 

Was hier auf die grüne Wiese gebaut wurde sucht weltweit wohl seinesgleichen: Während das weiße Passionsspielhaus mich an die Wallfahrtskapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp des berühmten Architekten Le Corbusier erinnert, könnte das futuristische Festspielhaus gleich daneben auch ein abgestürztes Raumschiff von einem anderen Planeten sein. Aber wie dem auch sei, das Festspielhaus mit seiner dunklen, markanten, ja aggressiven Architektur ist seit 2012 ein fester Bestandteil dieser Tiroler Berglandschaft und ein absoluter Besucher-Magnet. Die Architekten wurden mit dem großen Österreichischen Staatspreis 2015 ausgezeichnet. Der Konzertsaal selbst überzeugt mit warmen und dezenten Farben der verwendeten Materialien, die eine optische Ruhe ausstrahlen. So kann sich die akustische Konzentration der Besucher voll auf die Aufführungen richten. Das Haus hat 862 Sitzplätze und den größten Orchestergraben der Welt.

 

Die Architekten wurden 2015 mit dem großen Österreichischen
Staatspreis ausgezeichnet: Das futuristische Festspielhaus in Erl.

Kontrast zur schwarzen Fassade: Das Foyer des Festspielhauses in strahlendem Weiß.

In direkter Nachbarschaft zum Festspielhaus: Das Passionsspielhaus in Erl.

Das Passionsspielhaus in Erl mit Dornenkrone, Symbol für das Leiden von Jesu Christus.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Zum zweiten „K“, dem Kaisergebirge, habe ich eine quasi ambivalente Beziehung.

 

Ich liebe die Berge und die grandiose Natur, so lange ich nicht als Wanderer und Alpinist gefordert bin. Immerhin, den Kaiser habe ich in beachtlichen 20 Minuten Liftfahrt bezwungen. Meine kleine Nichte hatte mir vor vielen Jahren – in Betrachtung meiner kulinarischen Lebensweise – einen interessanten Vorschlag für meine Reisen gemacht: „Kirchen von außen, Kneipen von innen, Berge von unten“. Aber ich darf zu meiner Ehrenrettung bemerken, ich war in mehr Kirchen als auf Berggipfeln …

 

Das Kufsteinerland: Paradies für Wanderer und Biker, nur eine Stunde von München entfernt.

… und Servus, mit 200 PS ab in die Berge.

Fotos: Wolfgang Ritter / FK

 

Also komme ich zum dritten „K“, der Kulinarik im Kufsteinland.

 

Alexander Struth, Küchenchef und Inhaber des Restaurants „Blaue Quelle“ in Erl wurde Ende September zum Wirt des Jahres 2017 ausgezeichnet. „Die Blaue Quelle“, eine Quelle der Genüsse, dafür sorgen die Wirtsleute Gaby und Alexander Struth als Hausherren und wunderbare Gastgeber – wie der „Wirtshausführer“ seine Auswahl begründet. Ich war begeistert vom Galadinner, an dem ich teilnehmen durfte, eine Liaison zwischen solider Wirtshausküche und berechtigten Haubenambitionen: Saiblingsfilet mit Zitronencreme, Pilzrisotto mit Ziegenfrischkäse, konfierter Schweinebauch auf Currylinsen, Ochsenschwanz auf Püree mit schwarzem Trüffel, Zwetschgenschlutzkrapfen. Kompetent, freundlich und aufmerksam: die Damen im Service.

 

Wirt des Jahres 2017: Alex Struth und Ehefrau Gaby, „Blaue Quelle“, Erl.

Gratiniertes Rumpsteak mit Rosenkohl.

Ein Wirtshausführer mit 608 Seiten und 1000 Adressen (z.T. Norditalien).

Fotos: Wolfgang Ritter / FK

 

Aber auch in Kufstein muss man, salopp gesagt, nicht hungern.

 

Der Platzhirsch in der Altstadt ist das „Auracher Löchl“. Wer in einer der gemütlichen, holzgetäfelten Stuben nicht gegessen hat, war auch nicht in Kufstein. Seit über 600 Jahren wird hier gepflegte Gastlichkeit zelebriert. Die Küche schafft den nicht einfachen Spagat, Gourmets und Gourmands gleichermaßen glücklich zu machen. Was auf den Tisch kommt, ist vorzüglich, delikat und alles in üppigen Portionen bemessen. Auf der Weinkarte findet man alles was in Österreich Rang und Namen hat, aber auch Bordeaux Liebhaber finden ihre Grand Crus classés. Eine weitere Besonderheit im 90 Meter tiefen „Löchl“-Stollen im Festungsberg: die Speakeasy Bar „Stollen 1930“, das Mekka für Gin-Connaisseure.

 

Stimmungsvoll: Die Römerhofgasse mit dem Traditionshaus „Auracher Löchl“.

Auracher Löchl: eine der urgemütlichen Stuben.

Schmeckt auch den Damen: Tiroler Herrengröstl vom Tafelspitz mit Spiegelei und Krautsalat.

Tiroler Tapas: Von Allem etwas zum Probieren.

So sieht Gulasch eben aus … Schmeckt köstlich, deftig, „gschmackig“ … wer braucht da noch teure Filets?

Stollen 1930 im Auracher Löchl: Martin präsentiert die größte Gin Bar der Welt.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Aktuell stehen 900 Sorten Gin aus aller Welt zum Probieren bereit – das ist Weltrekord und auch dem Guiness Buch der Rekorde einen Eintrag wert.

 

Absolut trendy: Gin in Kombination mit Kräutern wie Thymian, Rosmarin, Liebstöckel oder Zitronenmelisse. Zum Auffüllen kann der Gast unter 21 Tonic-Marken wählen. Also unbedingt eines der neu renovierten 34 Zimmer buchen. Wer es romantisch und exklusiv mag, reserviert einen Tisch im kleinsten Brückenrestaurant der Welt mit der direkt daneben liegenden Mini-Suite mit Whirlpool. Noch romantischer wird es, wenn jeden Mittag um 12 Uhr die größte Freiorgel der Welt in ganz Kufstein zu hören ist. Sie ist auf der Festung installiert und sicher auch einen Besuch wert.

 

Auracher Löchl: Table for Two im kleinsten Brückenrestaurant der Welt.

Auracher Löchl: Das 4-Sterne-Hotel glänzt mit neu renovierten Zimmern.

Hoch über dem Inn: Die Festung Kufstein.

Fotos: Wolfgang Ritter / FK

 

Was fehlt noch?

 

Ein Souvenir aus der Tiroler Schnapsschule, Brennerei „Zum Messerschmied“. Hier kann man alles über das Brennen der feinen Destillate und das richtige Verkosten lernen. Albert Schmider weiß auf jede Frage die richtige Antwort. Sein aromatischer Williams Birnenbrand ist mittlerweile fester Bestandteil meiner Destillate-Sammlung zuhause.

 

In Ebbs gibt es Theorie gratis zum Obstler.

Früher Manager, heute Schnapsbrenner mit Leib und Seele: Albert Schmider.

Brennerei zum Messerschmied, Ebbs: Beste Brände, kleine Produktion.