Mandarin Oriental Paris – kreative Avantgarde für 85 Euro

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Paris

Paris ist bekanntlich nicht nur die Stadt der Liebe, sondern erst recht auch die Stadt des „l’art de vivre“ – der Kunst zu leben. Ein nicht unwesentlicher Teil dieser Kunst ist ebenso die Art des Genießens. Wenn ich in Berlin mittags über den Ku’damm flaniere und mich auf mein Mittagessen freue, begegnen mir unzählige Menschen in sybillinischer Hektik, in der einen Hand das vermeintlich unverzichtbare Handy, in der anderen einen Burger oder einen Kaffee „to go“. Zusätzlich hat man sich mit zwei Ohrstöpseln akustisch von der Umwelt abgeschottet, um quasi „in Ruhe“ essen zu können. Was für ein Niedergang der gepflegten Esskultur! Diese Unsitte ist in zunehmenden Maße auch in Paris zu beobachten, hat aber nicht das Ausmaß wie in Berlin, Italien oder erst recht in den mega Citys in Fernost.

 

Schnelles Essen für unterwegs – viele nehmen sich kaum noch Zeit zum Essen.

Foto: dpa

 

Ich hatte in meinem letzten Artikel über Paris (Brasserie Grand Colbert) schon erwähnt, wie voll die Restaurants auch am Mittag sind und mit welch sinnlicher Lust die Franzosen ihren Lunch genießen. Ich hatte mich zum Lunch für das 2-Sterne-Restaurant „Sur Mesure“ im exklusiven Hotel Mandarin Oriental entschieden (5-Gänge-Menü 85 Euro, 6-Gänge-Menü 100 Euro, 6-Gänge Abendmenü 180 Euro, DZ 950 Euro). Die hoch dekorierten Sterne-Restaurants sind mittags um einiges preiswerter – am Abend sind Menüpreise von 380 Euro keine Seltenheit. Ich hatte mittags im „Sur Mesure“ human kalkulierte 85 Euro für das 5-Gänge-Menü auf der Rechnung.

 

Das Mandarin hat zwei Restaurants: das Gourmetrestaurant „Sur Mesure“ mit Starkoch Thierry Marx und das „Camélia“ im Innenhof mit regionaler französischer Küche, teilweise japanisch interpretiert. Beliebt: die „Live Cooking“ Station in der Mitte des Restaurants mit Platz für sieben Personen.

 

Die Lobby mit Blick in das Atrium und das Restaurant „Camélia“.

Üppige Blumendekoration im Entrée-Bereich.

Shopping Paradies Saint-Honoré: Der Concierge kennt alle Adressen.

Stoffbahnen in weiß an den Wänden, Dekoration in ungewöhnlicher Form.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Doch zu meinem Besuch im „Sure Mesure“: Das außergewöhnliche Design ist der Pariser Haute Couture gewidmet. Das Restaurant ist für mich ein futuristischer Stilmix aus einem Kokon und einem coolen Spacelab in dominantem Weiß. Das innovative Designer-Duo Jouin-Manku schuf hier ein sicher weltweit einmaliges Restaurant mit formlosen Stoff-Arrangements an den Wänden und einem angenehm weichen Lichtkonzept. Für das romantische Candle Light Dinner oder den vertraulichen Business Talk empfehlen sich die intimen Nischen und Séparées.

 

Den Stil von Küchenchef Thierry Marx würde ich als französische Avantgarde mit fernöstlichen Aperçus bezeichnen.

 

Shooting-Star in Paris: 2-Sterne-Chef Thierry Marx.

Das Gourmetrestaurant „Sur Mesure“: das Design ist der Pariser Haute Couture gewidmet.

„Sur Mesure“: wenige, grüne Farbtupfer unterbrechen das dominante Weiß.

Fotos: Wolfgang Ritter / Mandarin Oriental

 

Der Focus liegt eindeutig auf dem hochwertigen Produkt in klarer, eindeutiger Präsentation. Die Kreationen erscheinen einfach, sind aber in Textur und Produkt-Kombination genial, leicht und trotzdem aromatisch. Köstlich das suppig-schaumige Soja- und Austernrisotto mit Pilzen; intensiv die Gänseleber mit geräuchertem Aal; auf den Punkt gebraten die Rotbarbe mit aufgestellten, frittierten Schuppen; das Kalbsfilet rosa gebraten mit Mangold und Rote Bete, Zwiebelsauce und Zitronen Confit; der Lammrücken rosa und zart, der Länge nach tranchiert; die Desserts innovativ als süß-scharfe Variation mit Wasabi-Creme und -Chip. Chef Sommelier David Biraud ist Herr über die besten Weine aller Provenienz.

 

Sieht gut aus, und schmeckt noch besser: Kalbsfilet im Mangoldmantel, Rote Bete und Zwiebelsauce.

Perfekte Textur: saftige Rotbarbe mit frittierten Schuppen und Tomatencreme.

Gebratener Lammrücken (längs tranchiert) mit Kartoffeltaschen und Kapern.

Focus auf das Wesentliche: geröstete Langoustine mit Gurke und Minzmousse.

Earth & Sea: Gänseleber mit geräuchertem Aal.

Köstliches Brot, fast zum satt essen.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

Man darf auf den neuen Michelin Führer im November gespannt sein – der dritte Stern für Thierry Marx strahlt schon am Horizont …

 

Gut gelaunter Service: Fabienne serviert die Desserts.

Die süße Bento Box: grüner, scharfer Wasabi bringt den Kick.

Überraschung: Der geeiste Kaffee wird in gestürzter Tasse serviert.

Der Gast hat die Wahl: in drei Weinkarten gibt es alles, was Frankreich und die Welt zu bieten hat.

Fotos: Wolfgang Ritter

 

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Conrad Maldives:

Das Conrad Maldives lässt die Korken knallen. Ab Oktober 2016 präsentiert das exklusive Resort im Rahmen großer Gourmet-Dinner die großen Champagner Marken wie Krug und Bollinger. Das Resort hat auch die seltenen Prestige Lagen von Krug im Keller: 2003 Clos du Mesnil – er gehört zu besten Champagnern der Welt. Aber auch das Weingut Tement aus der Steiermark mit seinen Spitzenweinen ist dabei. 7. November 2016 Bollinger in Bestform / 1. Dezember bis 9. Januar 2017 Grant Collins an der Tiki Bar des Conrad Maldives. Der britische Star-Mixer kreiert die besten tropischen Cocktails.

 

Foto: Conrad Maldives

 

Mandarin Oriental München:

Das „Nobu“ im Mandarin Oriental München feiert seinen ersten Geburtstag. Das vor einem Jahr neu gestylte Restaurant ist die Erfolgsgeschichte in München. Am 19. und 20. Oktober 2016 wird der große Meister Nobuyuki Matsuhisa selbst anwesend sein. Er wird sich auch von regionalen Produkten inspirieren lassen und neben seinen „Nobu Dishes“ ein spezielles 7-Gänge Omakase Menü präsentieren. Der Klassiker seiner Küche, der „Black Cod“ wird auf keinen Fall fehlen. (150 Euro). Rechtzeitig buchen! Telefon +49 89 290980