Das „Mardan Palace“ in Antalya – wenn ein Märchen wahr wird

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Antalya

Man kann ein Hotel für 10 oder 100 Millionen Euro bauen, man kann aber auch 1.400 Millionen Euro in die Hand nehmen und sich einen Traum erfüllen. Diesen Traum erfüllte sich der aserbaidschanisch-russische Unternehmer Telman Ismailow. Der wahr gewordene Traum heißt „Mardan Palace“, benannt nach seinem Vater und steht in der Türkei am Strand in Lara / Antalya. Es ist ohne Frage eines der luxuriösesten und teuersten Hotels der Welt. Zur Eröffnung vor sieben Jahren standen u.a. Mariah Carey, Richard Gere, Tom Jones, Monica Belluci und Paris Hilton auf der Gästeliste.

 

Da der hauseigene Sandstrand den Ansprüchen des Bauherrn nicht genügte, ließ er 9.000 Tonnen weißen Sand aus Ägypten anliefern!

 

Nur die teuersten Materialien wurden bei diesem Projekt verwendet: Gold und italienischer Marmor, edle Hölzer und wertvolle Teppiche waren die Vorgabe des Bauherren. Die Architekten und Designer konnten sich mit ausschweifender Opulenz der Realisation hingeben. Der Dolmabahçe-Palast am Bosporus in Istanbul war sicher in vielen Bereichen Vorbild für die Planung. Nach seiner Vollendung hätte der „Mardan Palace“ auch vor 500 Jahren das Wohlgefallen des Sultans Süleyman dem Prächtigen gefunden. Aber nicht nur die Osmanen und Türken lieben diesen Baustil, auch in Indien ist der „Mardan Palace“ die Inkarnation von Luxus, Pracht und Prunk. Hier wurden schon mehrere Bollywood-Filme gedreht, die Filmregisseure aus Mumbay (früher Bombay) finden hier die ideale Traumkulisse für ihre mega erfolgreichen Blockbuster.

 

Hier wurde an Blattgold nicht gespart: Eines der Portale des Mardan Palace. Der Poolbereich: gehört zu den größten Anlagen in Europa. Die Lobby: Gold und Prunk wie im Dolmabahçe-Palast in Istanbul. Gold und Rot– die dominanten Farben. Vier Stockwerke hoch: die imposante Lobby des Hotels.
Fotos: Wolfgang Ritter

 

Ich wurde Zeuge der Vorbereitungen für die Hochzeit des Jahres einer indischen Milliardärstochter und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das komplette Hotel wurde vom Brautvater Ende April für eine Woche gemietet. Drei Tage und drei Nächte wurde gefeiert. 15 Organisationsfirmen mit ihren Eventmanagern beschäftigten 385 indische Mitarbeiter. 150 Köche standen in der Küche und 86 Butler erfüllten den angereisten indischen Gästen jeden Wunsch. Allein 71 Container Blumen wurden aus Indien importiert. 100 der bekanntesten Bollywood Stars standen auf den Bühnen.

 

Fast das ganze Hotel wurde für diesen Anlass umgebaut – über die Kosten spricht man nicht, aber man bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich.

 

Aber zurück zu meinem, in der Relation doch eher bescheidenen Besuch im „Mardan Palace“. Ich muss voraus schicken: Ich liebe den pompösen Stil der Ritz-Carlton-Hotels, infolgedessen habe ich auch ein Faible für diese Opulenz und schwelgerische Pracht des Mardan. Wer die coole Eleganz eines Hyatt-Hotels bevorzugt, ist hier natürlich fehl am Platz (wobei ich das minimalistische Design des Berliner Grand Hyatt auch liebe)Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich in einem Internet-Reise-Portal einen „All inklusive“– Aufenthalt in einem Hotel gebucht – und im Mardan Palace werde ich zum Wiederholungstäter. Keine Kritik an meinem luxuriösen Zimmer mit Balkon, Pool- und Meerblick. Mir hat es an nichts gefehlt, was die Qualität der Speisen und den Service betrifft.

 

Die Lobby-Bar: Ein Platz zum Sehen und Gesehen werden. Nicht von Nespresso: Eine große Maschine für einen kleinen Kaffee. Ideal in der Vor- und Nachsaison: Der Indoor-Pool. Auch er kann sich sehen lassen. Ausblick vom Zimmer gefällig? Der Maiden-Tower, eine Kopie des Mädchen-Turms im Bosporus in Istanbul. Relaxen zwischen Buffet und Bistro: Gourmino Express Autor Wolfgang Ritter.
Fotos: Wolfgang Ritter

 

Das Angebot im Hauptrestaurant „Bosporus“ ist einfach überwältigend. Wenn sich auch manches wiederholt, fast täglich findet man etwas Neues aus den Töpfen der Weltküchen. Das ausnahmslos freundliche und sehr bemühte Personal an den Front-Cooking-Stationen erfüllt fast jeden kulinarischen Wunsch: authentisch türkisch, indisch, italienisch, chinesisch, vietnamesisch, arabisch, japanisch …

 

Für jeden etwas dabei: Die Vorspeisen – exotisch, orientalisch, international. Lässt Vegetarier-Herzen höher schlagen: Das Salat- und Gemüsebuffet. Darf auf einem türkischen Buffet nicht fehlen: Lamm Kebab, rustikal deftig, aber gut. Some like it hot: Gewürze und Saucen in allen Schärfegraden. Von wegen Fertigprodukte: Auch die Pastagerichte am Buffet werden frisch zubereitet. Türkisch-italienische Liaison: auch türkische Pizza schmeckt molto buono.
Fotos: Wolfgang Ritter

 

Begeistert hat mich vor allem das XXXL-Dessert-Buffet. Die süße Welt der Verführung mit all ihren möglichen Facetten: Schokolade, hell oder dunkel, in allen Formen und Farben: als Kuchen oder Eis, Mousse oder als Praline, frische Früchte, einfach so, als Salat oder als feine Obsttorten. Natürlich gibt es Baklava, das türkische Nationalgebäck aus hauchdünnem Blätterteig mit Pistazien, Butter und Zuckersirup. Feine Waffeln mit frischen Kirschen oder süße Crêpes mit Orangenfilets – die Pâtisserie präsentiert sich auf höchstem Niveau.

 

Dessert muss sein: süße Naschkatzen kommen voll auf ihre Kosten. Jeden Tag neue Verführungen: Das Dessertbuffet ist 16 Meter lang. … wer kann da noch widerstehen? Auch nicht schlecht: türkische Muffins mit Pistaziencreme und kandierten Früchten. Türkische Spezialität: Baklava, mega süß … oder lieber eine cremige Beerentorte. Gut gelaunte Küchenchefs: sie kochen in der Hochsaison für 1000 Gäste.
Fotos: Wolfgang Ritter

 

Auch das Frühstück wird im großen „Bosporus“ in gewohnter Qualität und Opulenz angeboten, alle Nationen finden sich auf den Tellern wieder. Mein Lieblingsplatz mittags ist die Terrasse der italienischen Trattoria „La Cucina“ im „Maiden Tower“. Der Turm ist eine Kopie des Mädchen-Turms im Bosporus in Istanbul und beherbergt mehrere Restaurants und Bars. Im „La Cucina“ schmeckt die Pasta nicht schlechter als in Italien, auch Wein und Wasser sind „all inklusive“.

 

Der „Italiener“ im Mardan: La Cucina – Pasta & Pizza wie in Italien.
Foto: Wolfgang Ritter

 

Übrigens: Türkische Weine haben an Qualität zugelegt, sind aber in gehobenen Restaurants aufgrund der hohen Steuern nicht ganz billig. Bekannte Rebsorten sind: Semillon, Riesling, Misket (weiß); Carignan, Grenache, Gamay, Pinot Noir, Merlot, Cabernet Sauvignon (rot). Gepflegt werden immer mehr die autochthonen, alten Sorten, die erstaunlich gute Qualitäten hervor bringen.

 

„All inklusive“ sind auch die angebotenen Snacks und Getränke im Beach-Restaurant, direkt am Meer!

 

Das köstliche türkische Fladenbrot wird von zwei erfahrenen Bäckerinnen immer frisch gebacken. Dazu einen aromatischen Tomatensalat, das Nationalgericht Kebab aus Hackfleisch, quasi türkische Fleischpflanzerl vom Spieß, und die Welt ist in Ordnung. Wer es exklusiver mag, bucht einen Tisch im „Arbat“ dem russischen Restaurant des Hauses. Kaviar und Wodka sind all gegenwärtig, allerdings nicht „all inklusive“. Wer in einem der zehn Spezialitäten-Restaurants einen Platz buchen will, zahlt pro Person 25 Euro Aufpreis. Zur Auswahl stehen japanische oder Thai-Küche, Osmanisch-türkisch, und, und, und … Ich habe mich für das französische Restaurant „La Brasserie“ entschieden und wurde positiv überrascht. Die Vorspeisen und Fischgerichte hatten Michelin-Sternequalität.

 

Gruß aus der Küche im Restaurant „La Brasserie“: geräucherte Entenbrust mit Salat. Die Vorspeise: Garnelen auf mediterranem Salat. Très Bonne: Gänseleberterrine auf Briocheschnitte und Beerensauce. In Frankreich auch nicht besser: Entenconfit mit geschmortem Gemüse, Bratkartoffeln und Zwiebelchips. Sternewürdig: Barschfilet auf Fenchelmus in Olivenöl-Emulsion. Köstlicher Klassiker: Vanille Crème Brûlée mit Joghurteis. Jung, schön und erfolgreich: Özlem Duru, Guest Relation (l.) und Seda Bayburtlu, Marketing (r.). Cool und stylisch: Das französische Restaurant im Mardan „La Brasserie“.
Fotos: Wolfgang Ritter

 

Unbedingt einen Besuch wert: das „Aquamarine“, ein Dinner wie im Aquarium mit Blick in die Unterwasserwelt. Ein Fischgericht habe ich mir aus Pietätsgründen vor den Augen der lebenden Artgenossen nicht bestellt. Doch damit ist ein Abend im Mardan Palace noch lange nicht zu Ende. Schwierige Entscheidungen werfen ihre Schatten voraus und unter die Augen: An welcher Bar nimmt man den obligatorischen Nightcup? Zur Auswahl stehen: die Onyx-Bar, die romantische Tent-Bar, die Theatro-Bar, die Jazz-Bar, oder die Scorpion Lounge, vier Meter über dem Meer. Nightlife erprobte schauen zum Abtanzen im Monkey-Club mit internationalen DJ’s vorbei. Da war ich leider nicht: die alkoholfreie Vitaminbar im grandiosen Spabereich – soll aber sehr gesund und gut sein! Ach ja, dann ist ja noch der Weinkeller mit seinen 8.500 Flaschen im Angebot. Fast alle großen Gewächse aus den wichtigen Anbaugebieten der Welt sind vertreten – leider nicht „all inklusive“.

 

Ein kurzer Guide für Interessierte:

 

Was muss ich mir in Antalya ansehen?

Der kleine Hafen ist nett, aber nicht spektakulär. Der Hadriansbogen in der Altstadt (sehr schön) zwischen Hafen und Bazar ist Pflicht für alle, die zuhause von etwas kulturell Anspruchsvollem berichten müssen. Auch die Wasserfälle in der Nähe von Lara sind einen Besuch wert. Wer es mit Kultur und Natur nicht so hat, gibt die besten Adressen für getürkte Taschen und Klamotten weiter.

Noch ein Tipp für den Herrn:

Lassen Sie sich einmal bei einem Friseur rasieren. Relaxen und Wellness in 20 Minuten, inkl. Gesichts- und Kopfmassage (5 Euro).

Wie komme ich hin?

Flug von München mit Condor nach Antalya in 2 1/2 Stunden, etwa 150 Euro. Taxifahrt Flughafen Antalya – Hotel 20 Minuten, etwa 20 Euro. Doppelzimmer ab 330 Euro (all inkl.) Wein und Cocktails an den Bars, inkl. Minibar.

 

Beliebtes Fotomotiv: Der Hafen von Antalya. Sollte man gesehen haben: Der Hadriansbogen, das Tor zur quirligen Altstadt.