Landschafts-Sammler Coustols im Palácio Belmonte

Posted on Posted in Hotellerie, International, Portugal

Lisboa

„We keep moving like the stars!“ bricht es mit einem schallenden Lachen aus Frédéric Coustols hervor. Es gibt keinen Anfang und kein Ende seiner Geschichte, sofort ist er mitten in seinem Thema und zieht den Besucher in einen magischen Bann. Hoch über der maurisch geprägten Alfama mit Blick auf den mächtigen Rio Tejo und die verwinkelten Gassen dieses verzauberten Viertels von Lissabon weitetet sich der Geist über einem azurblauen Himmel. Leise, melancholische Fado-Gitarrenklänge aus einem benachbarten Innenhof kriechen die Mauern des Palastes entlang, die Szenerie auf der Gartenterrasse – eine ideale Bühne für den französischen Kosmopoliten, der den über 500-jährigen Palácio Belmonte zu altem Glanz und Leben erweckt hat.

„Als ich hier in den 1990ern neben dem Castelo de São Jorge aus dem Taxi stieg, fand ich ein komplett verfallenes Anwesen vor, von Außen ähnelte es meinem Haus in Paris, 7 Fenster nicht mehr, der Größe nach wohl passend für eine Privatwohnung in Lissabon.“ Weit gefehlt: unzählige Räume, Säle, Verbindungstrakte, Anrichten, Gänge, Festzimmer und Separees bietet der Palácio Belmonte auf 3700 m2 – schlicht unbewohnbar für einen oder zwei Menschen, so dass Frédéric Coustols und seine portugiesische Ehefrau Maria Mendoça den Palast nach 6-jähriger Renovierung und einem Investment von 28 Mio € zu einem exklusiven Hotel (11 Suiten) weiterentwickelten, dem der private Wohnhauscharakter erhalten geblieben ist.

 

Frédéric Coustols, Landschaftssammler, auf der Gartenterrasse des Palácio Belmonte in der Alfama Lissabons. ©GE Das geschmackvolle Frühstück wird liebevoll zubereitet und
kann auf dem Dach der Suiten eingenommen werden. ©GE
Die Hotelgäste sind eingeladen außerhalb der Suiten auch die weiteren Räumlichkeiten des Palácio Belmonte gemeinsam zu nutzen. Aufgrund der Weitläufigkeit des Anwesens bleibt dabei die Privatsphäre gewahrt. ©GE Ausblick auf den Hafen von Lissabon. ©GE Die Dachterrasse der Suite Bartolomeu de Gusmão ist der Geheimtipp Lissabons. ©GE

 

Das Haus von Pedro Alvares Cabral, dem Entdecker Brasiliens, befand sich zuvor Jahrhunderte lang im Besitz der gleichen Familie, bis es von Coustols in aufwendigster Detailarbeit wieder in den Originalzustand aus dem 16. Jahrhundert versetzt wurde. Maurische wie auch römische Elemente am Fundament können heute dank dieses speziellen Aufwands in der Hotellobby besichtigt werden. „Es ist das Haus, welches mich gekauft hat“, erzählt der Franzose verschmitzt, der bereits seit früher Jugend seiner Leidenschaft nach geht, Häuser und Wohnungen nach dem Konzept der vernacular architecture zu bewahren und wiederherzustellen.

„Eines meiner ersten Projekte habe ich im Mato Grosso Brasiliens verwirklicht, als dann aber Rio nicht mehr von der Concorde angeflogen und so die Anreise nach Südamerika komplizierter wurde, traten neue Projekte auf den Plan, so dass ich mittlerweile ca. 60 Wohnungen über den kompletten Planeten verstreut besitze.“ Mit der Zeit bemerkte er, dass Besitz per se keinen Wert hat, viel spannender ist für ihn, die Historie eines Ortes zu erhalten oder ein Haus in den Kontext einer Umgebung zu setzten. Vor diesem Hintergrund versteht sich Coustols heute als „Landschaftssammler“, so z.B. die beeindruckende „Landschaft“ rund um den Palácio Belmonte, die sich dem Betrachter nur bei einem Besuch an diesem historischen Platz erschließt. Sind sie nicht gerade in Lissabon, zieht es Frédéric und Maria auf ihre Burg aus dem 13. Jahrhundert in der Gascogne oder ins chinesische Kanton, wo er ein ganzes Dorf gemeinsam mit der Universität von Guangzhou nach historischen Kriterien gestaltet und somit bewahrt hat. „Working for money is not the issue! Mich treibt es an mit Künstlern, Designern, Architekten und Studenten workshops zu veranstalten, oftmals auch hier im Palácio Belmonte, um im kreativen Gespräch neue Lösungsansätze für die drängen Zukunftsfragen unserer Zeit zu erarbeiten. Die Finanzkrise seit 2008, die in Ländern wie Portugal noch viel stärker zum Ausdruck kommt, mahnt zu einem Umdenken, bevor es zu spät ist: Let’s make an economy which is not an economy!“

 

Ausblick auf die Alfama. ©GE Anrichte im Palast. ©GE Die Leidenschaft für Zigarren teilt der Hausherr mit vielen Gästen des Palácio Belmonte. ©GE Der Tejo breitet sich wie ein Ozean aus. ©GE Schlafzimmer in der Suite Bartolomeu de Gusmão. ©GE Festsaal im Palacio Belmonte. ©GE Vogel aus Brasilien, Serie des portugiesischen Künstlers Tim Madeira. ©GE ©GE Exotische Schmetterlingssammlung. ©GE Im verwunschenen Garten lädt ein Swimmingpool aus schwarzem Marmor ein zum Bad. ©GE Großzügig sind auch die Bäder gestaltet. ©Palácio Belmonte/FB Orangen wachsen im Garten, die dort gleich verzehrt werden können. ©GE Frédéric Coustols vertieft bei der Lektüre. ©Fred Mayer Der Innenhof am Palácio Belmonte, der sich neben der Festungsanlage Castelo de São Jorge befindet. ©GE Das Wohnzimmer der Suite Bartolomeu de Gusmão entspricht einem Oktagon. Die maurischen Architekten
nutzten die dadurch versetzt liegenden Außenfenster zur Luftzirkulation im Sommer. Auch heute noch
bleibt es somit angenehm kühl in der Suite, ohne dass Klimatechnik eingesetzt werden muss. ©GE
Sitzgruppe im Palast. ©GE Die Aura um das Kloster São Vicente de Fora bleibt stets im Hintergrund. ©GE Stimmung am Mittag. ©GE Das Frühstück lässt keine Wünsche offen. ©GE Sonnenaufgang im Palácio Belmonte. ©GE Sternekoch José Avillez. ©Paulo Barata 2013 Ein Flieger der Germanwings auf dem Flughafen Faro vor dem Start nach Köln/Bonn. ©GE

 

Sternekoch José Avillez kocht nach Bedarf exklusiv für die Gäste im Palácio Belmonte, neben dem Café Lisboa unterhält er weitere Restaurationen in der portugiesischen Hauptstadt, wie dem Cantinho do Avillez oder dem bei Einheimischen beliebten Belcanto. Die Verbindung traditioneller mit moderner Küche der Stadt, wie beim Pastel com Arroz de Grelos (Kuchen mit grünem Reis), bietet kleine Überraschungen und sollte probiert werden.

Anreise: über das Hub in Köln/Bonn bietet Germanwings attraktive Verbindungen nach Portugal, wie z.B. nach Faro an die Algarve, von dort geht es bequem weiter mit dem portugiesischen Schnellzug Alfa Pendular nach Lissabon.

 

Palácio Belmonte

Pátio de Dom Fradique 14
1100-624 Lisboa, Portugal
+351 21 8816600
office@palaciobelmonte.com
www.palaciobelmonte.com

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